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Mohammed und das Studentenportal – Spiegel Online entdeckt die TU Ilmenau


Ich bin mich ja schon den ganzen Tag am fragen, was heute denn eigentlich hier los ist. Ich habe hier ja schon im vergangenen Sommer den Blogcounter installiert. Dieses Tool erfasst aller Besucher einer Website und erstellt Statistiken über die Besucher
Jeden Tag behalte diese Statistik im Auge. Ich schaue regelmäßig rein, einfach weil ich neugierig bin und mich über den aktuellen Wasserstand auf dem Laufenden halten möchte.
Aber heute war irgendetwas merkwürdig. Nicht weil die Besucherstatistik so hoch wäre. Das ist sie zwar auch, aber das war sie auch schon in den vergangenen Tagen, seit dem Artikel „Journalisten im Tarnanzug – Diskurs statt Dialog“.
Nein, was mich viel mehr verwunderte war, wie die Leute hierher gefunden hatten. Denn der Blogcounter zeigt mir auch immer an, von welcher Seite aus ein Besucher zu diesem Weblog kam. Kommt jemand über eine Suchmaschine, kann man sogar den Suchbegriff erkennen, der eingegeben wurde.
Und genau hier wurde ich stutzig. Denn heute kamen schätzungsweise 90% der Besucher über die Begriff „TU Ilmenau Mohammed Karikaturen“ hierher!
Ja, wie ich ja schon im Artikel „Dialog statt Diskurs! – Ilmenauer Studenten organisieren Diskussionsrunde zum Thema Mohammad & Islam“ berichtet habe, wurde in den vergangenen Tagen auf dem Ilmenauer Studentenportal (spi) heiß über die Mohammed-Karikaturen diskutiert, die auch von einigen Studenten dort veröffentlicht wurden.
Aber wieso suchen auf einmal so viele Menschen danach? Mhhhh, an den Studenten kann es ja eigentlich fast nicht liegen, die kennen ja alle das spi. Aber wieso dann? Ich hatte wirklich keine Ahnung. Bis ich vor etwa einer Stunde den Kommentar von „Maddin“ entdeckte:

„Spiegel Online berichtet über die Diskussion an der TU...“

Folgt man dem zugehörigen Link zu Spiegel-Online, stößt man auf den Artikel „Mohammed-Karikaturen - Große Weltpolitik im kleinen Ilmenau“.Und ja, wirklich, der Autor Christian Werner berichtet über die Diskussion, die die Mohammed-Cartoons hier an der TU Ilmenau ausgelöst haben:

„Der Konflikt um die umstrittenen Mohammed-Karikaturen hat jetzt auch die kleine TU Ilmenau in Thüringen erreicht.“

Christian Werner sieht Ilmenau als kleines Abbild des großen Europa, was die Diskussion um die Diskussion zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen angeht:

„Seither schwelt in Ilmenau (…) in weniger drastischer Ausformung der gleiche Zwist, der in der großen Weltpolitik islamische Länder und den Westen zu spalten droht.“

Ich hatte in den vergangenen Tagen auch des Öfteren die Veröffentlichung der Karikaturen auf dem Studentenportal kritisiert. Einige wenige Kommilitonen ließen mit sich reden und zeigten sich einsichtig. Andere blieben stur. Auch viele andere Studenten der TU Ilmenau sprachen sich dafür aus, dass die Bilder nichts auf dem privaten Studentenportal zu suchen haben:

„TU-Mitarbeiter Maher Al Ibrahim fragt sich, ob die Ilmenauer Studenten aus Dummheit oder Unwissenheit handelten. Der um Integration seiner Landsleute bemühte Al Ibrahim (…) ist vom Verhalten der TU-Studenten enttäuscht: `Wir tun hier so viel für den Kulturaustausch, und dann kommen ein paar Dummköpfe und zerstören alles.`“

Auch das Diskussionsforum, das einige Studenten gestern Abend veranstalteten findet Erwähnung:

„Eine Gruppe besorgter Studenten organisierte am Mittwochabend eine Diskussionsrunde an der TU, zu der fast 200 Besucher kamen.“

Die Studenten bemühen sich also wie berichtet um den Dialog zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen. Und auch der Rektor, Peter Scharff, mahnt laut Spiegel-Online,

„dass alle Studenten und Mitarbeiter bei der Sache `ihren Verstand einsetzen sollen`.

Also, schön dass sich die Bemühungen der Ilmenauer Studenten um Dialog bis in die Redaktion von Spiegel-Online herumgesprochen haben. Damit hätte sich auch das Phänomen mit den Suchbegriffen geklärt. Danke „Maddin“ für den Hinweis!

Wie das Theater in Ilmenau und auf der großen Weltbühne weitergehen wird sich in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten zeigen. Aber jede(r) Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten, dass die Wellen wieder etwas abflauen.
Die Diskussion in Ilmenau zeigt, dass es überall Aufklärungs- und Diskussionsbedarf gibt. Nicht nur im tiefen Thüringer Wald. Andere Universitäten und Städte können sich ein Vorbild daran nehmen: „Dialog statt Diskurs“!

bluejax
Erfurt, den 09. Februar 2006


Quellen und Links:
http://www.blogcounter.de/
http://www.myblog.de/bluejax/art/2815315
http://www.myblog.de/bluejax/art/2849067
http://www.spi.tu-ilmenau.de/
http://www.myblog.de/bluejax/art/2815315#comm
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,399966,00.html
http://www.spiegel.de/
http://www.ilmenau.de/


Nachtrag 10. Februar 2006
Hier findet ihr einen Radiobeitrag von MDRinfo zur Debatte in Ilmenau

Quellen und Links:
http://www.mdr.de/mdr-info/2493592.html
9.2.06 22:11


Dialog statt Diskurs! – Ilmenauer Studenten organisieren Diskussionsrunde zum Thema Mohammad & Islam


Wie in ganz Europa gab es auch auf dem Ilmenauer Studentenprotal in den vergangenen Tagen hitzige Diskussionen rund um die Mohammad-Karikaturen. Wie auch viele Zeitungen, so veröffentlichten auch einige Studenten die umstrittenen Karikaturen über ihren Account und warben für Unterstützung von Dänemark und Meinungsfreiheit.
Aber auch wie in der großen Welt, löste dieses provokative Verhalten auch hier zu heftigen Diskussionen, die sich zumeist in den diversen Gästebüchern abspielten. Viele muslimische Kommilitonen versuchten denen, die die Bilder veröffentlichten, klar zu machen, dass sie sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlten. Erfreulich, dass es zu manch konstruktiven und fairen Diskussionen kam. Aber leider konnten nicht alle etwas mit der Kritik anfangen, viele waren und sind in ihrer Einstellung so dermaßen festgefahren, dass sie keinen Schritt von ihrem Standpunkt auf unsere muslimischen Kommilitonen zugehen wollten.

Bereits am Sonntagabend wurden erste Stimmen laut, eine Podiumsdiskussion auf dem Campus der TU Ilmenau zu veranstalten, auf der die gegensätzlichen Standpunkte fair und konstruktiv diskutiert werden sollten. Und gerade eben habe ich auf dem Studentenportal gesehen, dass morgen wirklich eine solche Veranstaltung stattfinden wird!

Unter dem Motto „Interessierte Studierende versuchen zu vermitteln“ wird am morgigen Mittwoch, den 08. Februar 2006 ein offenes Diskussionsforum im Hörsaal 2 stattfinden. Um eine Gefährdung des „inneren Friedens der akademischen Gemeinschaft an der TU Ilmenau“ entgegenzuwirken sind alle Studierenden, Professoren, Dozenten und weitere Interessierten herzlichst dazu eingeladen ihre jeweiligen Standpunkte miteinander auszutauschen.

Die Veranstaltung soll für „Verständnis und eine sachliche Diskussion auf beiden Seiten sorgen und so ein friedliches Miteinander auf dem Campus sichern.“ (Quelle)

Als Gastredner wird Mark Bodenstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Islamwissenschaften der Universität Erfurt, der selber gläubiger Muslim ist, versuchen in einem einführenden Vortrag die Beweggründe der Muslime zu veranschaulichen.

„Denn nur wer die Grundzüge des Islam kennt, kann auch annähernd nachvollziehen, weshalb Moslems sich durch die Karikaturen provoziert fühlen, jedoch Christen durch ähnliche Publikationen nicht.“ (Quelle)

Meine Freundin, die übrigens an der Uni Erfurt Religionswissenschaften studiert, fleißig arabisch lernt und eine Hausarbeit zum Thema Integration vorbereitet, und ich werden voraussichtlich auch an der Veranstaltung teilnehmen. Warum voraussichtlich? Weil wir erst gerade eben davon erfahren haben und morgen eigentlich etwas anderes vorhatten. Aber wir werden uns bemühen morgen nach Ilmenau zu kommen!
Den Studenten, die an der Organisation und Vorbereitung der morgigen Podiumsdiskussion beteiligt sind danke ich für ihre Mühen. Hoffentlich hilft die Veranstaltung Vorurteile aus dem Weg zu räumen und offene Fragen zu klären!

bluejax
Erfurt, den 07. Februar 2006


Quellen und Links:
http://www.spi.tu-ilmenau.de/
http://www.myblog.de/bluejax/art/2815315
http://www.spi.tu-ilmenau.de/news.php?sid=&stg=default&id=f898d305a5130412b96b871
http://www.uni-erfurt.de/islamwissenschaft/index2.html
http://www.uni-erfurt.de/


Nachtrag 08. Februar 2006, Erfurt:

Leider habe ich es heute zeitlich nicht geschafft rechtzeitig nach Ilmenau zu fahren, um an der Diskussionsrunde teilzunehmen. Schade, ich hätte mich gerne mit eingebracht.
Tja, es gibt scheinbar doch Nachteile, wenn man wie ich in Erfurt und nicht in Ilmenau wohnt.
Allerdings habe ich Mark Bodenstein gerade auch per E-Mail angeschrieben und nachgefragt, ob eine ähnliche Veranstaltung auch für Erfurt vorstellbar bzw. geplant wäre. Ich bin gespannt.
Neugierig bin ich auch, wie die Diskussionsrunde heute Abend denn so war! Vielleicht kann mir jemand, der dabei war etwas Näheres dazu erzählen! Ich würde mich sehr freuen!


Nachtrag 10. Februar 2006, Erfurt:

Spiegel-Online hat über die Diskussion in Ilmenau berichtet. Mehr dazu findet ihr unter „Mohammed und das Studentenportal – Spiegel Online entdeckt die TU Ilmenau“.

Und hier findet ihr einen Radiobeitrag von MDRinfo zur Debatte in Ilmenau.

Quellen und Links:
http://www.myblog.de/bluejax/art/2866805
http://www.mdr.de/mdr-info/2493592.html


Nachtrag, 17. Februar 2006, Erfurt:

Hier die Antwort von Mark Bodenstein per E-Mail:

„ (…) schade, dass Sie nicht da sein konnten.
1) Mir scheint, dass ein offenes und öffentliches Gespräch hilfreich
war, um das Ilmenauer Problem anzugehen. Grundsätzlich ist aber
nicht-religiöses Menschen die empfundene Beleidigung gläubiger Muslime
scheinbar schwer zu vermitteln, in den sichtbaren Ausmaßen schon einmal
gar nicht. Da ist sicherlich mehr nötig als eine Diskussionsrunde.

2) Eine ähnliche Veranstaltung ist meines Wissens für Erfurt nicht
geplant, aber durchaus vorstellbar, sofern es jemand organisiert. (…)“

Vielen Dank für die Rückmeldung!
7.2.06 15:56


Journalisten im Tarnanzug – Diskurs statt Dialog


Also jetzt muss ich mich auch mal in die Diskussion rund um die Mohammed-Karikaturen einschalten.
Wer nicht weiß, um was es geht, hier eine kurze Einführung:
Die dänische Tageszeitung „Jyllands-Posten“ hat im vergangenen September eine Reihe von Karikaturen abgedruckt die den Propheten Mohammed darstellten. Ich verlinke jetzt hier absichtlich nicht zu den Karikaturen, da ich diese Aktion nicht gut heiße und mich auch davon distanzieren möchte! Auf den Bildern wurden Mohammed und der Islam in ziemlich provokanter Art und Weise dargestellt:
Ein Bild zeigt ihn zwischen 2 muslimischen Frauen, jeweils gehüllt in eine schwarze Burka mit Augenschlitzen. Das Gesicht von Mohammed selber ist mit einem schwarzen Balken überzogen, in den Händen hält er einen Säbel. Das Bild ist augenscheinlich an die Videos angelehnt, die es in letzter Zeit des Öfteren aus dem Irak gibt und die Entführte und ihre Geiselnehmer zeigen. Ein anderes Bild zeigt eine Tätergegenüberstellung. Hier sind verschiedene Religionsvertreter zu sehen, die alle einen Turban tragen, darunter auch wieder Mohammed.
Weiter ist ein Bild zu sehen, welches Selbstmordattentäter zeigt, die gerade den Eingang zum Paradies erreichen und zu hören bekommen, dass die Jungfrauen leider ausgegangen seien. Die provokanteste Karikatur von allen zeigt Mohammed mit einem Turban, der aus einer brennenden Bombe besteht. Insgesamt handelt es sich um 12 Bilder.

Einen guten Überblick über das Geschehen liefert die Zeit in dem Artikel „Allah und der Humor“:
Auf Nachfragen und Hinweise von Journalisten begann sich etwa eine Woche nach Veröffentlichung Empörung und Widerstand unter dänischen Muslimen zu regen. „Kurz darauf führte (…) eine Delegation dänischer Muslime auf eine Rundreise durch mehrere islamische Länder, um sich über Dänemark zu beschweren.“ Dies führte wiederum dazu, dass 11 dieser bereisten Länder dem „liberalkonservativen dänischen Premierminister Anders Fogh Rasmussen einen Protestbrief“ geschrieben, in dem sie ihn zu einem Gespräch mit ihren Botschaftern aufforderten. Vielleicht hätte ein solches Gespräch die Wogen geglättet, aber Rasmussen lehnte ab: „In Dänemark nehme die Politik keinen Einfluss auf die Presse, antwortete Rasmussen kühl, folglich gebe es keinen Grund für ein Gespräch. Darauf riefen im Dezember die Organisation der Islamischen Konferenz und die Arabische Liga zum Boykott Dänemarks auf.“ Die Folge waren immer weitere Gerüchte und Verschwörungstheorien, die nun rund um den Globus aus dem Boden sprossen.
Dann pünktlich zum Jahreswechsel und nach heftigem Druck sowohl aus Dänemark, als auch aus anderen Ländern folgte die Kehrtwende. „In seiner Neujahrsansprache verurteilte Rasmussen alle Äußerungen, die Menschen »aufgrund ihres Glaubens verteufeln«. Der Gebrauch der Meinungsfreiheit setze wechselseitigen Respekt und einen »ordentlichen Ton« voraus.“

Doch die Reaktion von Rasmussen kam etwas zu spät. Die Dinge hatten sich mittlerweile verselbständigt, die Wogen konnten nicht mehr geglättet werden. „Neben der Bombendrohung gebe es auch zahlreiche Morddrohungen per Mail und Telefon, bestätigt Joern Mikkelsen, der Politik-Chef der "Jyllands-Posten".“ schrieb Spiegel-Online in dem Artikel "Mohammed-Karikaturen - Das war es wert".

Neues Öl goss vergangenen Mittwoch die französische Zeitung „France Soir“ ins Feuer. Wie die Zeit im Artikel "Zu Hilfe, Voltaire" berichtet druckte die Zeitung die Karikaturen unter der Überschrift „Ja, man darf Gott karikieren“ ab. „Schon seit Monaten drohte dem Blatt die Zahlungsunfähigkeit“, doch mit diesem extremen Akt der Verzweiflung um Aufmerksamkeit zu ergattern hat sich die Zeitung selber keinen großen Gefallen getan. Der ägyptisch-französische Verleger Raymond Lakah hat auf die Entrüstung reagiert und sich gestern von seinem Chefredakteur Jacques Lefranc getrennt.

Und auch in Deutschland tauchten die Karikaturen mittlerweile in Zeitungen auf. „Die Welt“ veröffentlichte diese Woche einige der umstrittenen Karikaturen „aus Solidarität“, teilweise sogar auf der Titelseite. Heute erschien zudem der Artikel "Es besteht Dokumentationspflicht", in dem einige Chefredakteure aus der deutschen Presselandschaft Stellung beziehen:

Dass der Spiegel sich mittlerweile auf neokonservativen Wegen befindet ist ja bereits längst bekannt. Deswegen verwundert auch nicht der Kommentar von Joachim Preuß, stellvertretender Chefredakteur: "Dass die Welt heute mit einer Karikatur auf dem Titel erschienen ist, hat mir gut gefallen."
Bascha Mika, Chefredakteurin der "Tageszeitung" (Taz), die ebenfalls einige Bilder veröffentlichte meint: "Wir drucken diese Karikaturen, weil eine Dokumentationspflicht besteht. Weil sich die Leser ihre eigene Meinung bilden sollen. Und wir drucken sie auch, weil es zur Pressefreiheit gehört, sich dem Druck radikaler Moslems nicht zu beugen."
Interessant und sicherlich auch etwas überraschend ist die Meinung von Kai Diekmann, Chefredakteur der "Bild"-Zeitung,: "Ich persönlich würde in "Bild" keine Karikaturen drucken, die bewusst religiöse Gefühle verletzen."
Auch "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort sieht es etwas zurückhaltender: "Auf keinen Fall würde ich die Karikaturen alle abdrucken, höchstens eine als Beleg für eine Geschichte."
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der "Zeit", sieht die Sache dann auch etwas differenzierter: "Als jemand, der persönlich durchaus ein religiöses Koordinatensystem hat, finde ich, dass man es nicht darauf anlegen soll, die religiösen Gefühle von Menschen zu verletzen. Aber gerade im Hinblick auf Dänemark kann ich nur davor warnen, sich nun in vorauseilender Selbstzensur zu üben."

Ich muss sagen, dass es das erste mal soweit ist, dass ich Diekmann und (nur) teilweise Markwort zustimmen kann! Denn es geht hier nicht darum, die Karikaturen jetzt als reine Provokation abzudrucken. Aber genau das ist es, was die europäischen Zeitungen gerade machen. Hier wird jetzt leider der Fehler begangen eine Debatte über Meinungsfreiheit mit Hilfe von religionsverletztenden Zeichnungen auszutragen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es einfach eine pure Provokation ist, den Propheten Mohammed so abzudrucken. Es ist nunmal Teil des islamischen Glaubens, dass keine Bilder von ihm veröffentlicht werden. Und dann auch noch in solcher Art und Weise. Nein, dieses Süppchen haben sich die Redakteure selbst eingebrockt.
Es musste im Vorfeld klar sein, dass es Protest geben würde. Dies wurde in Kauf genommen. Ja, es wurde sogar extra darauf angelegt und auf die Provokation hin gearbeitet.

Dennoch stelle ich hier auch klar, dass ich das Ausmaß der Empörung und die doch sehr gefährlichen und konkreten Mord- und Bomben-Drohungen für sehr erschreckend & tragisch halte. Davon möchte ich mich hier auch klar distanzieren!

Deswegen finde ich auch die Stellungnahme von di Lorenzo vernünftig. Man sollte trennen zwischen Meinungsfreiheit und Provokation, mit der man vorsätzlich religiöse Gefühle verletzen möchte! Eine Diskussion darüber, wie weit die Berichterstattung (oder eine Zeitung) gehen darf ist in Ordnung und soll auch auf jeden Fall geführt werden. Jetzt aber in blinden Populismus zu verfallen und absichtlich die Karikaturen auf den (Titel-) Seiten abzudrucken, um einfach noch mehr Öl ins Feuer zu gießen und weiter zu provozieren, davon halte ich überhaupt gar nichts!

Und jetzt? Jetzt heißt es Diskurs statt Dialog. Jetzt braut jeder sein eigenes Süppchen, die arabischen Zeitungen machen Stimmung gegen den Westen und die westlichen Zeitungen machen Stimmung gegen die arabische Welt. Toll, das ist ja wirklich guter, vorbildlicher Qualitätsjournalismus!

Ich würde mir wünschen, dass sich arabische & westliche Zeitungen mal zusammensetzen und eine gemeinsame Diskussion über das Thema führen. Die einen sagen ihre Sicht der Dinge, die Anderen die ihre. Und die Ergebnisse sollten dann sowohl in westlichen, als auch in arabischen Zeitungen abgedruckt werden. Man sollte einfach versuchen, die andere Seite mit all ihren Facetten und Einstellungen kennen & respektieren zu lernen. Ich fände solch ein Verhalten zumindest mutiger und aufschlussreicher, als das, was gerade überall abgeht!

Es kann doch wirklich nicht Sinn und Zweck sein, dass jetzt überall Stimmung gegeneinander gemacht wird. Der Westen sollte langsam mal anfangen sich mit den Eigenschaften und Hintergründen des islamischen Glaubens zu beschäftigen. Dass man nicht mit unseren Maßstäben über andere Kulturen oder Religionen urteilen sollte. Wie gesagt, wir sollten den Dialog suchen, anstatt einfach nur drauf los zu hauen.
Natürlich gilt dies auch umgekehrt. Auch die arabische Welt muss lernen, dass nicht alle Äußerungen aus dem Westen persönliche Angriffe darstellen sollen. Der Westen ist – anders als er selber immer denkt – nicht perfekt. Der Westen macht ebenso Fehler, immer wieder aufs Neue. Man sollte langsam anfangen sich gegenseitig zu tolerieren. Der Westen muss einsehen, dass er der arabischen Welt nicht sein Gesicht und sein Verhalten aufzwingen kann/darf. Und umgekehrt muss auch der (fundamentale) Islam lernen den Westen anzuerkennen, vielleicht auch einzugestehen, dass das eine oder andere – Stichwort Gleichberechtigung und Meinungsfreiheit - vielleicht auch erstrebenswert ist. Es gibt positive Bestrebungen und Tendenzen auf beiden Seiten. Aber leider auch immer wieder neue Rückschläge. Und das momentane Theater schürt nur neue Ängste, Vorurteile und Ablehnungen. Das ist gefährlich.

Zu einen Kampf der Kulturen (oder der Religionen) – wie ihn Samuel Huntington in „Clash of Civilizations“ beschrieben hat – dürfen wir es auf gar keinen Fall kommen lassen! Wir müssen einen Weg des gleichberechtigten Miteinanders finden. Wie, dass muss sich zeigen. „Toleranz“ und „Dialog“ lauten die Schlüsselwörter!!!

bluejax
Erfurt, den 02. Februar 2006


Quellen und Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Burka
http://www.zeit.de/2006/06/D_8anemark_neu
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,398600,00.html
http://www.zeit.de/online/2006/06/france_soir
http://www.welt.de/data/2006/02/02/839952.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_der_Kulturen

Nachtrag, 03.02.2006

Heute morgen hat Spiegel-Online den Artikel „Karikaturen-Streit - Annan fordert Respekt vor Religionen“ veröffentlicht. Darin wird der UNO-Chefsprecher Stephane Dujarric zitiert, der berichtete, dass Annan betroffen sei. „Der Generalsekretär der Vereinten Nationen vertrete die Ansicht, dass "die Pressefreiheit immer in einer Weise angewendet werden sollte, die den Glauben und die Lehren aller Religionen vollständig respektiert".
Das ist genau das, worauf ich auch schon hingewiesen hatte. Ist es wirklich sooooo schlau und gerechtfertigt jetzt in diversen Zeitungen die Karikaturen zu veröffentlichen, obwohl man ganz genau weiß, dass man die religiösen Gefühle von zig-Millionen Menschen verletzt?!

„Annan halte es auch für wichtig, Missverständnisse und Animositäten zwischen Menschen von unterschiedlichem Glauben und kultureller Tradition durch friedlichen Dialog und gegenseitigen Respekt auszuräumen.“
Auch hier kann ich mich Kofi Anan nur voll und ganz anschließen. Statt sich jetzt einfach bis an die Zähne zu bewaffnen und nur noch mehr zu provozieren, sollten die Journalisten vielleicht einfach mal anfangen und den gegenseitigen Dialog miteinander suchen. Einen europäisch-arabischen Dialog, bei dem sich Vertreter unterschiedlicher Zeitungen treffen und in einer gemeinsamen Runde über das Thema diskutieren. Denn jetzt sind gerade nur die Scharfmacher am Zuge, denen das Thema als willkommener Vorwand zum ballern und schießen dient.

Aber ich möchte jetzt nicht alle Journalisten über einen Kamm scheren. Nicht alle Journalisten sind Scharfmacher. Die Süddeutsche veröffentlichte heute auf ihrer Homepage den Kommentar „Religion und Respekt“ von Rudolph Chimelli. Dieser vermeidet es sich auf dieses Einseitige Nervenspiel der anderen Zeitungen einzulassen, sondern unternimmt vielmehr einen Versuch einer Differenzierung.

Zum einen meint er zwar, „Es wäre Unfug, wenn die Verunglimpfung von Glaubensinhalten des Christentums, des Judentums, des Hinduismus oder anderer Religionen „Meinung“ wäre, Spott über den Propheten aber todeswürdiger Frevel oder Delikt.“
Allerdings belässt er es nicht bei dieser einfachen Begründung. Er weiß, dass es komplexer ist:„Das Getöse um die dänischen Mohammed-Karikaturen zeigt, dass sich die Welt gründlich verändert hat. Und es macht sichtbar, dass die Zeit einfacher Wahrheiten vorbei ist.“

Er weist darauf hin, wie ich es auch schon tat, dass es nicht angebracht ist die ganze Welt mit den westlichen Normen und Maßstäben zu bewerten.
„Im Unterschied zu Europa, das sich vom Sakralen weitgehend ablöste, haben die Muslime, selbst wenn sie persönlich nicht religiös sind, ihr Gefühl für die Verbindlichkeit der Glaubensgrundsätze im Alltag erhalten. Islam ist Religion, Gesetz, Lebensregel und Sitte.“
Natürlich kann man über diese Einstellung diskutieren. Man sollte aber nicht den Fehler machen und versuchen damit dem Islam oder anderen Religionen die Menschlichkeit abzusprechen. „An dieser Stelle verläuft die tiefe Kluft zum Westen, die nur schwer zu überbrücken ist. Hier liegen die Wurzeln des Unverständnisses.“

Unverständnis drückt es wahrscheinlich ganz gut aus. Die arabische Welt kann den Westen mit seinem Verhalten nicht verstehen und der Westen versteht die islamische Welt nicht.

“Für Westler ist schwer zu verstehen, was an einer Karikatur Mohammeds so absolut verwerflich sein soll. (…) Er darf nicht verehrt werden, aber auch nicht verspottet: Das ist der ursprüngliche Grund des Abbildungsverbots. Keine islamische Bilddarstellung zeigt sein Gesicht.“

Und ich denke, das ist ein wesentlicher Punkt des ganzen Theaters. Anstatt nach den Hintergründen zu forschen und vielleicht versuchen diese Empörung der muslimischen Gesellschaft zu verstehen setzen sich viele Zeitungen lieber in einen Panzer, schießen und walzen alles nieder. Das hinterlässt verbrannte Erde. Und es zerstört noch mehr, als es eigentlich helfen würde.

„Vom Dialog der Kulturen, (…) ist die Welt durch den Karikaturen-Streit weiter entfernt denn je. Soll daraus nicht ein Schritt zum Krieg der Zivilisationen nach Samuel Huntington werden, muss der aktuelle Disput wieder entschärft werden.“

Was ist die Lösung, was tun? Zuerst einmal sollten wir versuchen die Gemüter zu beruhigen. Wir müssen versuchen uns kennen zu lernen. „Die Gläubigen des Islam sind nicht mehr der böse Feind, schon weil sie in großer Zahl unter uns leben.“
Im Grunde ist es nicht anders als es die USA bereits seit vielen Jahren veranschaulichen. Durch die Globalisierung bilden sich überall neue, bunte Gesellschaften, in der jedes Individuum seine Wurzeln und seine Gedanken mit einbringt. Bei den Vereinigten Staaten gebraucht man auch gerne den Begriff „Melting-Pot“ . Wir verschmelzen miteinander. Allerdings dürfen wir dabei nicht den Respekt und die Toleranz von einander – und auch vor anderen Religionen und Einstellungen –verlieren. Ohne Respekt und Toleranz wird es nicht gehen.

“Weniger Aufgeregtheit ist erforderlich, überall. Wenn schon keine liebevolle Verständigung – einen Modus vivendi brauchen alle, am meisten die europäischen Länder und ihre Muslime.“

Wir müssen die Angst voreinander verlieren. Den Kontakt suchen. Schon mal etwas von der Kontakthypothese gehört? Diese Theorie besagt, dass sich die Einstellung gegenüber Fremdgruppen mit steigender Kontakthäufigkeit verbessert. Ich glaube hier liegt eines der größten Probleme unserer „modernen“ Gesellschaften: Wir kennen uns viel zu schlecht!

Quellen und Links 2:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,398812,00.html
http://www.sueddeutsche.de/,tt4m2/kultur/artikel/486/69417/
http://de.wikipedia.org/wiki/Kampf_der_Kulturen
http://de.wikipedia.org/wiki/Schmelztiegel
http://www.infobitte.de/free/lex/allgLex0/m/modusVivendi.htm
2.2.06 18:44


Teil 1: Strategisches Medienmanagement – Die Diversifikation der ProSiebenSat.1-Gruppe


Am Freitag, den 27. Januar 2006 referierte an der TU Ilmenau Dr. Marcus Englert, Direktor Diversifikation ProSiebenSat.1-Gruppe über "Strategisches Medienmanagement". Der Vortrag fand im Rahmen der Vorlesung „Medienmanagement in der Praxis“ statt.

Da mich das Thema Fernsehen zurzeit sehr interessiert und ich im Moment auch eine Hausarbeit zur „Zukunft des Fensehens“ – also Digitalisierung, Interaktive TV, Mobile TV, Digital TV etc. – am vorbereiten bin, habe ich mir diesen Vortrag angeschaut. Und ich muss sagen, es war wirklich interessant!

Zunächst einmal: Was versteht man unter Diversifikation? Also, ein Blick in Wikipedia verrät: „Der Begriff Diversifikation bezeichnet eine Ausweitung des Sortiments.“ Als Beispiele werden unter anderen folgende zwei Möglichkeiten genannt: „intern: Das Unternehmen wächst aus eigener Kraft und entwickelt das Produkt selbst; (…) Kooperation: Neue Produkte werden mit einem Partner entwickelt. Kooperationen können verschieden intensiv sein, von losen Joint Ventures bis zu strategischen Allianzen und Netzwerken.“

So, das ist ja schon mal ein guter Einstieg. Dr. Marcus Englert erklärte uns, dass es bei ProSieben.Sat1 um folgendes geht: Das Unternehmen hat 2 zentrale Säulen, zum einen das Fernsehen mit seinen zur Sendegruppe gehörenden Sendern. Die zweite Säule ist die Diversifikation. Hier geht es darum, neue Geschäftsmodelle zu finden, mit denen sich Geld verdienen lässt. Ziel sei es, die Abhängigkeit vom traditionellen Werbemarkt – also dem Geldverdienen durch TV-Spots – zu verringern und stattdessen alternative Einnahmequellen zu generieren. Zudem sei es Aufgabe der Abteilung Diversifikation, ProSieben.Sat1 für die Digitale Fernsehzukunft zu wappnen. Wenn wir uns die Beschreibung von Wikipedia noch mal ins Gedächtnis rufen, heißt es demnach, dass die ProSieben.Sat1 Media AG mit der Diversifikation sein Sortiment versucht auszuweiten. Zum einen intern, durch fest angestellte Mitarbeiter, die an Innovationen tüfteln und zum anderen durch Kooperationen. Zu näheren Beispielen komme ich später noch.

Wenn wir einen ganz kurzen Blick auf den Fernseh-Bereich werfen: Zur Sendegruppe ProSieben.Sat1 gehören die TV-Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24. Übrigens sind alle Sender 100%ig in Besitz der ProSiebenSat.1 Media AG (Quelle: KEK). Die Sender sind unterschiedlich im Markt positioniert, sollen also verschiedene Zielgruppen ansprechen. Laut Dr. Marcus Englert sieht die Sender-Strategie folgendermaßen aus:
ProSieben soll als „Lead-Marke“ für ein junges Publikum agieren. Als junger Entertainment-Sender liegt das Hauptaugenmerk klar auf dem jüngeren Teil der werberelevanten Zielgruppe der 14-49 Jährigen.
Sat1 hingegen spricht die breite Masse an und soll als „klassischer Network“ funktionieren. Ziel ist hier eine breite Produktpalette anzubieten, die soweit alle Altersklassen befriedigt. Man könnte hier auch vom klassischen Familiensender sprechen.
Kabel 1 gilt als „die klassische Qualitätsmarke“. Hier heißt das Ziel Qualität statt Quantität. Es werden Filmklassiker gezeigt und eher ein älteres Zielpublikum angesprochen. Gut veranschaulicht auch durch den Slogan „Die besten Filme aller Zeiten“!
Und dann gibt es noch den kleinsten und jüngsten Sender der Familie: N24. Hier handelt es sich um einen Nachrichtensender. Oder wie Dr. Marcus Englert es formulierte, „die führende Marke für Information“. Laut seinen Angaben hat N24 dem vorigen Primus N-TV die Marktführerschaft mittlerweile abgerungen.

Dem Vortrag von Dr. Marcus Englert zufolge erwirtschaftete die ProSiebenSat.1 Gruppe im vergangenen Jahr 2005 einen Umsatz von 1,9 Mrd. Euro, was im Endeffekt 300 Millionen Euro Gewinn machte. Dabei wurden 90% des Umsatzes durch die klassische Fernsehwerbung in die Kassen gespült. Ein recht ordentliches Ergebnis eigentlich!
Doch der Werbemarkt unterliegt einem regelmäßig wiederkehrenden Zyklus. D.h. auf einige fette Jahre folgen immer wieder Dürre und Not. Und um diesen „Werbezyklus abzufedern“ ist es dass Ziel die Diversifikationserlöse in den kommenden Jahren stetig auszubauen. Selbsterklärtes Vorgabe für 2007/2008 sei es, mindestens 15% des Umsatzes der ProSieben.Sat1 Media AG durch eben diese „alternativen Einnahmequellen“ zu generieren. Zudem „knabbert das Pay-TV unaufhörlich am Werbekuchen“ der Fernsehsender. Englert gebrauchte hier den Vergleich mit dem Spiel „Pacman“.

Gut, das war die erste Säule der ProSiebenSat.1 Media AG; quasi die traditionelle Säule. Die zweite Säule ist also die Diversifikation. Wer sich übrigens schon gewundert hatte und einen Fernsehsender vermisst hatte, hier kommt er: Nämlich findet sich unter der Abteilung der Diversifikation die Euvia Media, also NeunLive (oder 9Live?). Polarisierender könnte ein Fernsehsender gar nicht sein. Die Mehrheit der Deutschen hassen ihn. ProSiebenSat.1 liebt ihn. Ja, den Worten von Dr. Marcus Englert zufolge scheinen sie dort sogar regelrecht Stolz auf den Sender zu sein. Und das nicht ohne Grunde! Denn kein anderer Sender kann mit besseren Zahlen aufwarten als 9Live: größtest Wachstum und natürlich auch rentabelste Ergebnisse. Der Sender scheint eine wahre Goldgrube zu sein.
Dabei weiß ich noch, wie alles angefangen hatte. Alles begann mit Christiane zu Salm Salm“: Sie war von 1998 bis 2001 Geschäftsführerin von MTV Deutschland. Nebenher wirkte sie bei der Gründung des Jugendsenders NBC GIGA mit. Als sie 2001 zu Tm3 wechselte – ihr wisst schon, der frühere Frauensender, der eine Saison lang die Rechte an der Uefa Champions League hielt- dachte ich mir: „Man ist die blöd, wieso tut sie sich das nur an?“. Damals lief MTV recht erfolgreich, was auch mit ihre Arbeit war. Und dann auf einmal wechselte sie zu TM3 und wurde Vorstandsvorsitzende der Euvia Media AG. Am 01. September 2001 ging dann aus TM3 der Sender 9Live hervor. Ich weiß noch, dass ich damals ein Interview mit Christiane zu Salm Salm - Ihr offizielle Name lautet übrigens Christiane Salm Prinzessin zu Salm-Salm (!) - gelesen habe, in dem sie das Sendekonzept vorstellte. Sie wollte den ersten Quizsender Deutschlands aufbauen. Und der Name 9Live, weil er einerseits die 9 auf der Fernbedienung einnehmen sollte und weil der Name veranschaulichen sollte, dass alles „live“ sei.
Ich weiß noch, dass ich alles andere als vom Erfolg überzeugt war. Ich dachte mir nur: „Wer will den einen Quizsender? Das funktioniert doch nie!“
Gut, ich muss mittlerweile eingestehen, dass ich damals falsch lag. 9Live legte eine beispielhafte Karriere hin und änderte die das deutsche Fernsehen grundlegend!
Im September 2005 hat Christiane zu Salm Salm übrigens ihre Anteile am Sender an die ProSiebenSat.1 Media AG verkauft. „9Live ist eine hundertprozentige Tochter der Euvia Media AG, die wiederum zu hundert Prozent der ProSiebenSat.1 Media AG gehört“ (Quelle).
Übrigens ist mittlerweile Marcus Wolter Geschäftsführer von 9Live. Einige werden ihn sicherlich noch von früher kennen: er war mal Aufnahmeleiter bei VIVA. Damals entdeckte er Stefan Raab und produzierte dessen Show Vivasion!

Zurück zum Thema: Neben Euvia Media gehören auch noch MM Merchandising und Seven One zur Diversifikation von ProSiebenSat.1. Übrigens umschrieb Dr. Marcus Englert das Konzept von 9Live folgendermaßen: „Möglichst viele rufen an, möglichst wenige gewinnen etwas.“ Und zur herben Kritik am Senderkonzept von 9Live meinte er: „Der Köder muss dem Fisch schmecken!“.

Weiter geht`s demnächst in Teil 2!

bluejax
Erfurt, den 31. Januar 2006


Links und Quellen:

http://tu-ilmenau.de/uni/index.php
http://www.tu-ilmenau.de/site/ifmk/Medienmanagement_in.3331.0.html?&L=1l
http://de.wikipedia.org/wiki/Diversifikation
http://www.kek-online.de/kek/medien/beteiligung/13prosiebensat1.pdf
http://www.michael-does.de/spiel-packman.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Christiane_zu_Salm
http://de.wikipedia.org/wiki/9Live
http://de.wikipedia.org/wiki/Marcus_Wolter
31.1.06 11:46


Tod auf der Treppe – Mord oder Unfall?


Es war reiner Zufall, dass ich drauf gestoßen bin. Irgendwann vor 2 Wochen bin ich bei Freunden (ich hab ja keinen Fernseher, liebe GEZ) beim Durchzappen auf dem Fernsehsender XXP hängen geblieben. Dort lief eine Dokumentation, in der der Prozess um einen Schriftsteller gezeigt wurde. Die Frau von Michael Peterson, so der Name des Schriftstellers, ist bei einem mysteriösen Treppensturz ums Leben gekommen. Doch ziemlich schnell steht der Ehemann im Visier der Staatsanwaltschaft und wird schließlich vor Gericht angeklagt.

Die Dokumentation „The Staircase - Tod auf der Treppe“ begleitet nun die Verteidigung von Michael Peterson und zeigt in 4 Folgen à 100 Minuten das Gerichtsverfahren rund um den Tod von Kathleen Peterson.

Im Verlauf der polizeilichen Ermittlungen zeigte sich sehr schnell, dass die glückliche Ehe der beiden Petersons scheinbar nur Fassade war. Michael, bisexuell, führte ein Doppelleben. Diese Tatsache wird ziemlich schnell zum Hauptargument der Staatsanwaltschaft. Und damit trifft sie natürlich mitten ins Herz der 12 Geschworenen. Denn man darf nicht vergessen, es geht um ein Gerichtsverfahren, welches in den Vereinigten Staaten von Amerika verhandelt wurde. Das heißt, am Ende entscheiden die 12 Geschworenen, ganz normale Menschen aus der Nachbarschaft, über Schuld oder Nicht-Schuld des Angeklagten. Und dass der Fall in North Carolina verhandelt wird, also in einem tief konservativen Südstaat, ist nicht gerade Vorteilhaft für einen Angeklagten, der seine Ehefrau mit anderen Männern betrogen hatte.

Der Staatsanwalt Jim Hardin baut hierauf seine Anklageschrift auf und führt einen emotionalen Prozess gegen Michael Peterson. Ziemlich schnell präsentiert er auch die angebliche Mordwaffe: einen verschwundenen Schürhaken.
Die Verteidigung ihrerseits setzt weniger auf Emotionen, als vielmehr auf Fakten. Die Mannschaft um den Anwalt David Rudolf setzt auf stichhaltige Laborergebnisse. Sie führt allerlei biomechanische, forensische und sonstigen Verfahren durch, um die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen. Dabei wirft sie der Polizei auch schlampige Arbeit vor und beschuldigt sie, am Tatort Spuren verwischt zu haben.

Ein ganz neues Licht wirft der Tod einer früheren Freundin von Michael Peterson auf den Prozessverlauf: Elisabeth Ratcliff starb 1985 in Deutschland – ebenfalls nach einem mysteriösen Treppensturz. Tragischer Zufall oder verräterischer Zusammenhang? Die Leiche wird exhumiert und der Todesfall neu aufgerollt.

Der Regisseur Jean-Xavier de Lestrade zeigt in „The Staircase - Tod auf der Treppe“ beachtlich, wie ein mysteriöser Todesfall nach und nach versucht wird aufzuklären. Der Film zeigt, wie die Verteidigung strategisch vorgeht, um die 12 Geschworenen von der Unschuld ihres Mandanten zu überzeugen. Lestrade zeigt, wie schwierig es ist, die Wahrheit herauszufinden. Was ist wirklich in jener Nacht passiert?

Vorsicht: Den folgenden Abschnitt bitte nur lesen, wenn ihr wissen wollt, wie der Prozess ausging oder ihr es bereits wisst!

Interessant sind die beiden Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Während die Anklage sich voll und ganz auf die Emotionen der 12 Geschworenen konzentriert und eigentlich die Bisexualität von Michael Peterson zum zentralen Schuldbeweis macht setzt die Verteidigung auf die Zweifel. Sie präsentiert 10 große Widersprüche, wegen denen man Peterson eigentlich nicht schuldig sprechen dürfte. So wurde auch der vermeintlich verschwundene Schürhaken, der von der Staatsanwaltschaft als Mordwaffe vorgestellt wurde gefunden, untersucht und als Nicht-Mordwaffe identifiziert. Auch die vielen Gutachten, die die Truppe um David Rudolf in Auftrag gegeben hatten, entlasten den Angeklagten. Die zentrale Botschaft lautet: Die Beweise der Staatsanwaltschaft reichen nicht aus um den Angeklagten für Schuldig zu bekennen. Nicht die Entscheidung zwischen Schuld und Unschuld stehe für die Geschworenen zur Debatte, sondern, ob schuldig oder nicht schuldig. Und für einen Schuldspruch reiche die Beweislage auf gar keinen Fall aus.

Das finde ich eigentlich auch recht treffend formuliert. Zwar bekommt man selber im Verlauf der Dokumentation den Eindruck, dass hinter des friedlich scheinendem Miene des Schriftstellers ein zweites Gesicht stecken könnte, aber das heißt ja noch lange nicht das er auch schuldig ist. Man kommt zu der Überzeugung, dass aufgrund der von der Verteidigung angebrachten Zweifel wirklich kein Schuldspruch möglich sein könnte. Nicht schuldig, was nicht gleich unschuldig heißen muss!

Dann, nach den Schlussplädoyers ziehen sich die 12 Geschworenen zur Beratung zurück. Es dauert ganze 5 Tage, bis sie zu einer einstimmigen Entscheidung kommen. Und das Urteil ist wirklich sehr überraschend. Denn es lautet: „Guilty“, schuldig im Sinne der Anklage!

Der Schriftsteller Michael Peterson legt direkt nach der Urteilsverkündung Einspruch ein. Lebenslange Haft lautet das Strafmaß. Der Verurteilte wird abgeführt. Seine beiden Adoptivtöchter, die den ganzen Prozess hindurch zu ihm gehalten haben brechen im Gerichtssaal weinend zusammen. David Rudolf verliert den Glauben an das Rechtssystem der USA. Court TV, die das Gerichtsverfahren von Beginn an verfolgt haben können das Ende des Prozesses verkünden. Ein mysteriöser Fall, der bei den Menschen in den USA über Monate für Diskussionen sorgte wird abgeschlossen. Die Kinder des Schriftstellers haben nach ihrer Mutter und der Stiefmutter nun auch ihren (Adoptiv-) Vater verloren. Das weiß auch der Verurteilte. Die letzten Worte im Film stammen von Michael Peterson: „Alle müssen büßen!“

bluejax
Erfurt, den 29. Januar 2006


Links:

Hier findet ihr die Beschreibung von XXP zu den einzelnen Folgen der Dokumentation:
Teil 1: „Geheimnisse und Lügen“

Teil 2: “Die Beweisaufnahme“

Teil 3: “Der Prozess“

Teil 4:” Das Urteil“

Hier gibt`s eine Zusammenfassung von Vox.

Und unter rechtsreferendarin.de gab es schon mal eine kleine Diskussion zum Prozess und dem Urteil.
29.1.06 16:23


Ein Topmodel gegen die Blogwelt - Die „Heidi-Klum-Affäre“


Nachdem ich nun schon seit einiger Zeit die Berichte von Medienrauschen.de zum Thema Heidi Klum und Sozialgericht Bremen verfolgt habe, möchte ich nun meinen Beitrag dazu leisten, um den Werbeblogger Patrick Breitenbach zu unterstützen. Es geht um folgendes:

Am 30.12.2005 erschien auf werbeblogger.de der Eintrag „Heidiheida der Klumpfuß“, in dem der Blogbetreiber von einem schönen Weihnachtgruß aus dem Hause Klum berichtet:

„Ich öffne eines schönen Weihnachtsmorgens meinen virtuellen Briefkasten und entdecke (…) eine Nachricht, die mir sofort ins Auge springt. Sie trägt den kurzen, knackig-kernigen Betreff "Markenrecht" und wurde von niemand geringeren als "Günther Klum" verfasst. (…)“

In dem betreffenden Brief stand dann folgender Text:

„da der Name Heidi Klum gesetzlich geschützt ist (R) und TM, bitte ich Sie den Namen aus Ihrer URL zu entfernen und die Werbung mit dem Namen Heidi Klum einzustellen. Als Termin hiefür habe ich mir den 2. Januar 2006 Notiert.“

Worum geht`s genau? Das Management des internationalen Topmodels Heidi Klum, möchte, dass Werbeblogger.de eine Nennung von Heidi Klum in der Url löscht. Wäre ja irgendwie nachvollziehbar, ginge es um eine kommerzielle Webseite, die mit der Nennung von Heidi Klum in der Adresszeile irgendwelche (finanziellen) Vorteile erringen würde. Allerdings: Werbeblogger.de ist ein stinknormaler Weblog, ohne finanzielle Hintergründe.
Im Konkreten geht es um diesn Eintrag vom 30.11.2005: Werbeblogger.de berichtet in 5 Zeilen:

„McDonalds in japan wandelt ja bereits auf Modelpfade mit merkwürdigen Ronald McDonald-Verschnitte.
Nun wurde Heidi Klum engagiert um in den USA in das ausgeleierte Fast-Food-Kostüm zu schlüpfen. Scheinbar möchte MCDonalds weiterhin krampfhaft gegen das derzeitige Supersize-Image angehen.“

So, das war`s. Ja, richtig, das ist alles. Das ist der Stein des Anstoßes. Das ist der Beitrag, weswegen, Werbeblogge.de am 26.12. um 04.40 Uhr Weihnachtspost von Günther Klum bekam. Weil in der Url „heidi_klum_wird_mchottie“ steht!

Werbeblogger.de weiß daraufhin auch selber nicht, wie mit der Klum-Aufforderung umzugehen ist und bittet um Rat:

„Vielleicht kann mir ja ein gewiefter Rechtsverdreher, der hier zufällig mitliest, einen kleinen Tipp zu den kommenden Verhaltensregeln geben? Soll ich mich lieber sofort beugen oder kann ich mich auf ein persönliches, juristisches Stelldichein mit Heidis Papa im Morgengrauen freuen?“

Im Folgenden hat Werbeblogger.de weiteren Kontakt mit Günther Klum gesucht und seine Rechercheergebnisse und den E-Mailverkehr im „Heidiheida der Klumpfuß“-Beitrag weiter dokumentiert:
So heißt es in einer weiteren Mail aus dem Hause Klum:

„vielen Dank für Ihre Informationen und Belehrungen.
Da meine Anwälte mich anders informieren, überlasse ich das ihnen den Sachverhalt aufzuklären.“

Kuhl! Ich weiß wirklich nicht, wie ich mit einer solchen Aufforderung umgehen würde. Überhaupt, erlaubt sich da vielleicht doch irgendjemand einen schlechten Scherz? Am 01.01.2006 schreibt Werbeblogger.de nach einigen Recherchearbeiten:

„Es scheint sich wirklich um KEINE Fälschung zu handeln“

Wie gesagt, ich bin über den Artikel „Hinweis: Heidi Klum möchte nicht gebloggt werden“ auf medienrauschen.de auf diese Story gestoßen. Und hier heißt es:

„Was (…) Herr Klum übersehen: Die Blogeinträge bei (…) Werbeblogger Patrick Breitenbach wurden inzwischen so oft verlinkt & kommentiert, dass Google gar nicht mehr an ihnen vorbeikommt. Eigentor mit Anlauf, sauber verwandelt.“

Will heißen: durch den Versuch Seitens Günther Klum Werbeblogger.de die Verwendung des Namens Heidi Klum zu untersagen hat er sich selber keinen großen Gefallen getan. Denn dadurch, dass viele andere Blogger auf diese Geschichte aufmerksam wurden und Werbebogger.de verlinkten, kam folgendes Ergebnis zustande: Gibt man heute bei Google den Namen „Heidi Klum“ ein, so erscheint schon auf Platz 2 „Werbeblogger - Heidiheida der Klumpfuß“! Das nenn ich ausgezeichnete PR-Arbeit!

Bei Lawblog.de, die schon vor einiger Zeit auf die „Klum Affaire“ gestoßen sind, heißt es am 31.12.2005 in dem Artikel „Heidi Klum und ihr Vater“:

„Es ist in einem Land, in dem jeder seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei sagen und verbreiten darf (Art. 5 Grundgesetz), nicht verboten, eine Marke zu erwähnen.“

Lawblog.de scheint sich seiner Sache ziemlich sicher zu sein. Denn in der Url zum besagten Artikel taucht auch hier der Name des Topmodels auf: „heidi-klum-und-ihr-vater“. Ebenso wie der oben zitierte Artikel von Medienrauschen.de: „heidi-klum-moechte-nicht-gebloggt-werden“.
Außerdem wird in einem Nachtrag der Artikel „Der Vater von der Klum …“ verlinkt. Hier nimmt sich Sascha Krämer dem Thema an und versucht die Sachlage näher zu beleuchten. In dem Artikel heißt es:

„Wenn man mit dem OLG Düsseldorf die Verwendung von markenrechtlich geschützten Bezeichnungen in Metatags für zulässig hält (…) dürfte das auch für die Verwendung der markenrechtlich geschützten Bezeichnung in der URL eines Blogbeitrags gelten. Entscheidung offen.“

„Damit wir überhaupt ins Markenrecht kommen, müsste beim Werbeblogger zunächst ein Handeln im geschäftlichen Verkehr (vgl. § 14 Abs. 2 MarkenG) vorliegen. Angesichts der Tendenz der Rechtsprechung zur (sehr) weiten Auslegung des Begriffs “geschäftlicher Verkehr” dürfte man zumindest im einstweiligen Verfügungsverfahren diese Hürde relativ leicht nehmen können. Falls man den “geschäftlichen Verkehr” verneinen sollte, wäre man im Übrigen wieder beim § 12 BGB (der im Anwendungsbereich des MarkenG aus Spezialiätsgründen verdrängt und keine Anwendung finden würde).“

Interessante Geschichte. Ich bin gespannt, wie die Sache weitergeht und ob es zu einem (für die Blogwelt positiven) Ende kommt. Medienrauschen.de schreibt im aktuellen Artikel zum Thema:

„Irgendwas läuft da mächtig falsch im Hause Klum.“

Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Ich für meinen Teil brauche zumindest keine Angst zu haben: bei mir taucht der Name „Heidi Klum“ in der Url zu diesem Artikel NICHT auf!
Übrigens gibt`s einen ähnlichen Fall bei shopblogger.de. Hier stammt die Post allerdings nicht aus dem Showbusiness sondern von einer Behörde: dem Sozialgericht Bremen. Der Fall ist mindestens so heiß diskutiert wie der von Heidi Klum!

bluejax
Rottenburg, den 07. Januar 2006


Nachtrag #1:
Durch hirnrinde.de bin ich auf weitere Artikel zum Thema gestoßen. So titelt die Netzeitung „Heidi Klum mag keine Blogeinträge“:

„Breitenbach sagte der Netzeitung, er denke überhaupt nicht daran, den Eintrag zu entfernen. «Schon allein aus grundsätzlichen Erwägungen nicht.» (…) «Es gibt gute Chancen, dass der Beitrag bleibt», so Breitenbach.“

Desweiteren hat die Netzeitung auch Kontakt mit Günther Klum aufgenommen:
„Am Montagnachmittag erhielt die Netzeitung eine kurze Mail, in der Klum bat, für Breitenbachs Seite nicht indirekt Werbung zu machen - ob die Mail tatsächlich von ihm geschrieben wurde, ist unklar. Seine Sprecherin bestätigte jedoch, dass zumindest die Absenderadresse korrekt ist.“
Gut, ich habe noch keine E-Mail aus dem Hause Heidi/Günther Klum bekommen. Deswegen: Geht doch mal auf folgende Seite: werbeblogger.de“!
Den Artikel der Netzeitung haben im übrigen auch N24 und Sat.1 übernommen!

Wie hirnrinde.de weiter berichtet, haben sich nun sogar die Schweizer dem Thema angenommen. So schreibt 20min.ch: „Klum gegen Blogs“.
Der Berliner Kurier schreibt bei BerlinOnline: „Heidi Klum - Model zickt gegen Fans“!
Und auch die Frankfurter Rundschau hat sich unter „Blogsphäre - Juristische Eitelkeiten“ mit dem Thema beschäftigt.
Das Handelsblatt: „Ehre der Blogger - Heidi, deine Welt ist nicht das Internet“:

„Die Affäre ist längst über den Globus verbreitet. 10 000 Seitenabrufe zählte allein der Werbeblogger am vergangenen Dienstag, auf zahlreichen anderen Blogs wird der Fall diskutiert. Auch die ersten US-Blogs berichten.“

Ein weiteres Nachbarland: der österreichische Fernsehsender ORF: „Papa Klum und Bremen vs. das Internet“

Und auch Golem.de mischt mit:„Blogs mit merkwürdigen Markenproblemen - Markenverstoß oder einfache Namensnennung?.

Man, was für ein Aufruhr die „Heidi-Klum-Affaire“ erzeugt. Franz Beckenbauer würde sagen: „Jo mei, is denn heit scho Sommerloch?“
Heidi Heida, the show must go on!

Nachtrag #2:
Und mittlerweile hat sich auch Spiegel-Online der Sache angenommen. Unter dem Titel: „Realsatire - Heidi Klum, Sozialgericht und Dönerfleisch...“ berichtet Richard Meusers sowohl von der „Heidi-Klum-Affaire“, der „Akte Sozialgericht Bremen“, sowie einem weiteren Vorfall, der „Sache Vakona“. Der Artikel endet mit den Worten:

„Und damit ist die Sache ein Lehrstück dafür, wie man mit der Öffentlichkeit nicht umspringen sollte, deren Teil auch die Blogosphäre ist. Denn es wird sehr anschaulich, wie schnell eine Story von der mehr oder weniger unbekannten Blogosphäre ihren Weg in die Medien finden kann.“

Das wäre doch jetzt ein schönes Schlusswort, oder?!


Nachtrag #3
16. Januar 2006, Erfurt:

Von wegen Schlusswort! The show must go on? Die Show geht weiter:

Nachdem das Handelsblatt am 05. Januar sich der „Heidi-Klum-Affaire annahm, gab es im Hause Günther Klum einen lauten Knall. Rauchschwaden stiegen auf, das Blut brodelte, Papa Klum kochte. Und er schrieb Chefredakteur Bernd Ziesemer folgendes Fax:

"Über den oben angegebenen Artikel einer Ihrer Aushilfen, des sehr geehrten Herrn Thomas Knüwer (den Namen hab ich im Impressum nicht gefunden) war ich nach der Rückkehr aus meinem Urlaub etwas verwundert. Auch das Sie als Handelsblatt die passenden juristischen Ausführungen zu dem Thema bereit stellen, ist m.E. für Ihre hoch angesehene Wirtschaftszeitung gewöhnungsbedürftig.
Ob die Belange des Internet-, Namens- bzw. Markenrechts richtig gewichtet wurden, bleibt abzuwarten. Festzustellen ist, daß Sie einseitig Werbung für eine Internetseite betreiben, ohne die Rechte der anderen entsprechend zu berücksichtigen.
Über Ihre persönliche Sichtweise würde ich mich sehr freuen"
Quelle: handelsblatt6.blogg.de

Ja ja, was man nicht alles so macht, wenn man sich einmal verrannt hat. Ganz ehrlich: Was bitteschön möchte Papa Klum mit dieser Aktion eigentlich erreichen? Das einzige, was der Marke Heidi Klum schadet ist doch wohl sein erbärmliches Auftreten in dieser Sache. Er hätte wohl selbst nicht damit gerechnet, dass seine Unterlassungsaufforderung an einen Blogbetreiber solche Wellen schlagen könnte. Aber zumindest nachdem er merkte, welche Wendung die Dinge nehmen, hätte er doch einlenken können. Oder hat er es noch gar nicht gemerkt? Hat er noch gar nicht gemerkt, dass er sich richtig lächerlich macht in der Öffentlichkeit. Die (Blog-) Welt lacht. Spätestens jetzt muss er doch langsam einlenken. Sollte einen Schritt auf die Blogwelt und die Öffentlichkeit zugehen. Statt als Manager eines der erfolgreichsten und millionenschweren Topmodels gegen kleine, unbedeutende Weblogger zu kämpfen, sollte er doch lieber seiner Arbeit nachgehen und sich darum kümmern, dass seine Tochter noch mehr Millionensummen einstreicht. Aber nein,…

Tja, vielleicht hat der gute Mann auch noch nicht daran gedacht, dass sich diese Geschichte auch negativ auf das Image der Marke Heidi Klum niederschlagen könnte. Dass sie schaden an dem Verhalten ihres Vaters nehmen könnte.

Oder ist das ganze am Ende eine geschickt eingefädelte PR-Aktion? Heidi Klum macht doch jetzt eine neue TV-Show auf ProSieben, in der sie ihre Nachfolgering küren soll. Na ja, dann wäre es wieder geschickt eingefädelt. Denn die Aufmerksamkeit im Netzt hat er nun. Er müsste dann nur irgendwann hingehen und eine Kehrtwende vollziehen. Dem Werbeblogger und dem Handelsblatt ein exklusives Interview mit seinem Tochterherz verschaffen und Schwupp-di-wupp, die Welt wäre wieder in Ordnung. Je mehr ich drüber nachdenke, desto besser gefällt mir die Sache mit der berechneten PR-Aktion. Also wenn er wirklich so dreist gewesen sein sollte und alles war geplant, Respekt! Na ja, wir werden sehn.

Quellen und Links:
http://www.medienrauschen.de/archiv/2006/01/01/hinweis-heidi-klum-moechte-nicht-gebloggt-werden/
http://www.medienrauschen.de/archiv/2006/01/05/guerilla-marketing-und-er-war-es-doch/
http://www.werbeblogger.de/index.php/2005/12/30/fanilie_klum_lasst_grusen
http://www.werbeblogger.de/index.php/2004/11/30/heidi_klum_wird_mchottie
http://www.lawblog.de/index.php/archives/2005/12/31/heidi-klum-und-ihr-vater/
http://weblawg.saschakremer.de/2005/12/31/der-vater-von-der-klum/
http://www.hirnrinde.de/index.php/2006/01/02/nachste_stufe_der_sylvester_rakete_n_abg
http://www.netzeitung.de/internet/375515.html
http://www.n24.de/wirtschaft/multimedia/index.php/n2006010214482700002
http://www.sat1.de/news/wirtschaft/2006/01/02/n2006010214482700002/index.php
http://www.20min.ch/unterhaltung/people/story/18122246
http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/berlin/106323.html
http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/dossiers_und_serien/computer_und_internet/blogosphaere/?cnt=779402
http://www.handelsblatt.com/pshb/fn/relhbi/sfn/buildhbi/cn/GoArt!200104,204016,1013479/index.html
http://futurezone.orf.at/it/stories/80745/
http://www.golem.de/0601/42448.html
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,393856,00.html
http://handelsblatt6.blogg.de/eintrag.php?id=511
http://www.medienrauschen.de
http://www.werbeblogger.de
http://weblawg.saschakremer.de
http://www.lawblog.de
7.1.06 00:52


Polizei-Rottenburg – Phantasie im Dienst?!


Die Polizei in Erfurt ist ja schon ein komischer Schlag, der nicht viel zu tun zu haben scheint. Aber die Polizei in Rottenburg am Neckar kommt auf noch viel einfallsreichere Ideen:

Am vergangenen Mittwoch haben wir uns zu dritt bei einem von meinen Jungs getroffen. Ich liebe diese Abende; Einfache, ungezwungenen Abende mit meinen Jungs.
Wir haben den ganzen Abend lang „Die Siedler von Catan“ gespielt. Für mich war es das erste mal. Trotzdem hat es mir gefallen. Hat Spaß gemacht! Ohnehin hab ich in den vergangenen 2 Wochen viele Gesellschaftsspiele kennen gelernt. Wir haben uns dieses…äh letztes Jahr fast ausschließlich Spiele zu Weihnachten geschenkt. „Abalone“, „Backgammon“, „Boggle“, „Mahjong“, „Kalaha“, „Sudoku“ und so weiter. War irgendwie wie früher. Unsere fast schon legendären Sonntagnachmittage. Damals haben wir fast jede Woche alle zusammen den ganzen Mittag lang Canasta gespielt.
Zurück zum Thema:
Weil es so verdammt kalt draußen war, bin ich mit dem Auto gefahren. Hätte zwar auch gut zu Fuß gehen können. Aber mitten in der Nacht bei den damaligen Temperaturen eine halbe Stunde durch die Stadt pilgern, nee, muss nicht sein.
Probezeit ist ja schon längst vorbei, also unter 0,5 Promille bleiben. Ich fahre grundsätzlich nicht, wenn ich was getrunken habe! An diesem Abend habe ich mir 2 kleine Bier (0,3l) genehmigt. Ich wusste ja, dass es länger dauern würde, bis ich wieder fahre. Die 2 Bier hatte ich beide vor 23.00 Uhr getrunken.
Kiffen tu ich ja auch schon seit Jahren nicht mehr, eigentlich. An jenem Abend auch nicht. Dafür hatte sich einer meiner Jungs ein winziges Tütchen genehmigt. Ein Espresso quasi.
Der Abend ging dann so bis 2.30 Uhr. Also mitten in der Nacht raus und ins Auto. In der Zwischenzeit hatte es etwas geschneit, ich musste das Auto freimachen. Des Weiteren nieselte es leicht. Und da es so kalt war, gefror das Wasser sobald es auf der Fensterscheibe aufkam. Dennoch konnte ich ohne Einschränkungen - was Sicht, Physis und Psyche gleichermaßen betraf - fahren.
Die Straßen waren schneebedeckt. Alles weiß. Und etwas rutschig. Also Vorsicht, langsam fahren! Selbstverständlich!
Natürlich hab ich zuerst noch einen Freund heimgefahren. Auch: selbstverständlich!
Wie gesagt, ich bin sehr vorsichtig gefahren. Höchstens 20 Km/h, mehr ging nicht. Zumindest nicht in dem Viertel, indem ich unterwegs war.
Danach musste ich auf die Hauptstraße. Die war zwar auch weiß, aber es lies sich eigentlich ganz gut fahren. 40 Km/h. Dann die 30-Zone mit Blitzer. Abbremsen und langsam voran stottern. Wieder: selbstverständlich!
Auf einmal war ein Wagen hinter mir. Dieser Wagen holte sehr schnell auf. Ich hatte sogar das Gefühl, dass er auffuhr. Da der Regen aber wie gesagt auf der Rückscheibe leicht gefror, konnte ich nicht sehen, was genau es für ein Wagen war. Na ja, 20 Meter vor Ende der 30-Zone hab ich dann auf 40 Km/h beschleunigt. Auch weil der Wagen hinter mir immer noch an meinem Heck klebte.
Gut, 200 Meter weiter dann der Kreisverkehr. Vorsicht, Rutschgefahr! War auch glatt, bin einmal etwas geschlittert. Dann, aus dem Kreisverkehr raus, mit maximal 40 Km/h. Der Typ hinter mir küsste mir wieder den Kofferraum. „Sorry, schneller geht nicht! Überhol doch!“ Nach 50 Metern kommt dann eine Bushaltestelle, 10 Meter weiter geht`s zu mir rein. Auf einmal fängt der Typ hinter mir an und haut die Lichthupe rein. Wie gesagt: „Scheiß Drängler!“.
Ich biege ein in unsere Straße. Als ich bemerke, dass der Drängler auch einbiegt und wieder die Lichthupe reinhaut halte ich an. „Vielleicht ein Freund oder Bekannter?“ Als ich gerade aussteigen will merke ich dann: Polizei!
Also gut, was wollen die denn? Als ich dann aussteige kommen sie schon auf mich zu. Zu zweit, ein Mann und eine Frau. Und natürlich werde ich gleich angepöbelt, was mir denn einfalle, nicht auf ihr Zeichen hin an die Seite ran zu fahren. Man zeigt mir ein rot leuchtendes „Stop“ am Polizeiwagen. „Tut mir leid, nicht gesehen!“ Wie auch, das Ding ist dermaßen ungeschickt angebracht, da reicht eine leichte Schneeschicht auf dem Kofferraum und man sieht nichts davon. Zuerst kommt dann natürlich: „Ist ja kein Wunder, sie haben die Scheiben auch nicht frei gemacht.“ Klar doch. Nachdem sich der Polizist davon überzeugt hatte, dass man von innen wirklich nichts sehen kann, obwohl die Rückscheibe frei war lässt er die Anschuldigung fallen.
„Führerschein und Fahrzeugpapiere!“
Als nächstes dann: „Sie sind mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren!“ Wie? „In der 30-Zone!“ Aha, das war also der Drängler! Gut, er hat Recht, ich hab 10-20 Meter vor Ende der 30-Zone auf 40 Km/h beschleunigt. Ich bin ja einsichtig.
Dann geht`s erst richtig los: „Haben sie etwas getrunken?“ Was sagt man in einer solchen Situation? Ach komm: „Ja, ein Bier.“ „Sind sie sicher? Wann haben sie das Bier denn getrunken?“ „Vor 23.00 Uhr!“. Und weiter: „Nehmen sie Drogen?“ Aber sicher doch, wird ja immer schöner. „Natürlich nicht!“ „Haben sie etwas geraucht?“ Auf den Hinweis hin, dass ich Nichtraucher sei, werde ich angeflaumt: „Sie wissen genau was ich meine, haben sie etwas gekifft?“ Ich verneine. „Ich glaube ihnen nicht! Haben sie schon mal irgendwann etwas geraucht?“ Ich erzähle, dass ich vor 6 Jahren mal etwas probiert habe. Was soll man auf eine solche Frage auch antworten?
Dann kommt natürlich gleich der nächste Schritt. „Ich glaube Ihnen nicht!“ Prüfung! Der Polizist leuchtet mir in die Augen, Pupillentest. Danach dann: Augen zu, Beine zusammen, Kopf in den Nacken und eine Minute still halten. Kein Problem, ich halte still.
Dann: „Sie haben Drogen genommen!“ Klar, schon bessere Witze gehört! Kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Nochmal: „Ich glaube, Sie haben Drogen genommen!“ Langsam wird es mir klar, der Polizist macht keine Scherze, der meint es ernst!
Ich würde drogenverdächtige Auffälligkeiten und auf Drogen hindeutendes Verhalten zeigen. Natürlich deute meine Fahrweise auch auf Drogenkonsum hin. Lustig, was?!
Als nächstes bekam ich dann eine Einladung. Vielmehr eine Aufforderung. Ab in den Polizei-Bus und mit auf die Wache! Auf die Frage, ob ich den Wagen vielleicht gerade an die Seite fahren könne, damit die Hofeinfahrt für die anderen Anwohner frei wäre, werde ich wieder angebafft: „Finger weg!“ Ob ich wenigstens meinem Bruder oder meinem Vater bescheid geben könnte, damit einer von denen den Wagen auf die Seite fahren könne. Nix da! „Aber abschließen darf ich doch, oder?“ „Selbstverständlich, und Warnblinker an!“
Als ich dann gerade in den Bus einsteigen will, kommt meine Schwester. Sie war auch unterwegs und wurde hinter dem Polizei-Bus abgeliefert. „Darf ich wenigstens meiner Schwester den Autoschlüssel geben, damit sie den Wagen rein fährt?“ Wieder werde ich ziemlich schroff angemacht. Es könnte ja sein, dass ich meiner Schwester etwas anderes als den Autoschlüssel zustecke. Klar, dieses kleine schwarze Ding, mit dem Audi-Logo drauf sieht ja auch so verdächtig aus!
Na ja, als ich endlich festgeschnallt im Bus saß dürfte meine Schwester dann endlich (unter Aufsicht natürlich) zu mir und den Schlüssel entgegen nehmen.
Dann ging`s los in Richtung Polizeiwache.
Dort angekommen ging` ab in einen kargen Raum. Zwei leere zusammen geschobene Tische mit 4 Schreibtischstühlen dran. Der Polizist setzt sich ans obere Ende. Ich sollte gegenüber Platz nehmen. Aber nicht auf einem der beiden Schreibtischstühle. Für mich wird ein unbequemer Holzstuhl aus der Ecke hervorgezaubert, einer der beiden Schreibtischstühle muss dafür weichen. Was soll das denn? Die Polizistin baut sich an der Seite neben mir auf.
Dann bekomme ich einen Pappbecher mit Leitungswasser. Urintest. Auf THC, Kokain, Amphetamine und so weiter und so weiter.
2 Minuten nachdem ich getrunken habe werde ich aufgefordert auf die Toilette zu gehen: Pissen ist angesagt! Natürlich werde ich von dem Polizisten begleitet. Es klappt, ich kann meine Probe sofort „bereitstellen“.
Bei den Polizisten macht sich hämiges Grinsen breit, ganz nach dem Motto `So, jetzt haben wir dich!` Ein Tröpfchen hier, ein Tröpfchen da und dann wird gewartet. Wie beim Schwangerschaftstest. Dann: „Sieht positiv aus!“ Wie bitte? „…für Sie.“ Den Polizisten fällt die Kinnlage runter. Mir wird das Ergebnis gezeigt und erklärt. Sobald sich kleine Balken an den einzelnen Stellen bildeten, zeige dies, dass keine Spuren der jeweiligen Droge im Urin nachgewiesen werden kann. Bei mir waren überall dicke fette schwarze Balken. Negativ! Hab ich doch gesagt!
Kollegen, die schon freudig herbeieilten werden enttäuscht, keine Drogen nachgewiesen. Solche Nasen!
Aber aufgegeben wird noch nicht. „Dann muss jetzt eben der Alkoholtest her!“ `Den kriegen wir schon noch` war überall zu spüren.
Also wird dieses Blasgerät bereit gemacht. „Tief einatmen und dann solange hier reinpusten, bis es piepst.“ Kein Problem, ich besitze eine gesunde Lunge. Es piepst. Danach kurzes warten. Dann das Ergebnis: 0,0 Promille. Drogentest negativ! Alkoholtest negativ!
Die Enttäuschung bei den Polizisten war greifbar. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wieder mal. Ich bekomme meine Papiere zurück. Führerschein und Personalausweis.
Dann darf ich wieder im Polizei-Bus platz nehmen und werde nach Hause gefahren. Eine Entschuldigung? Schließlich wurde mir fälschlicherweise und absolut ohne Grundlage Drogenkonsum unterstellt. Negativ. Auch negativ! Stattdessen die Belehrung: „Fahren Sie in Zukunft angemessen, dann geschehen auch solche unangenehmen Vorfälle nicht!“ Klar, ich werde es mir zu Herzen nehmen.
Zuhause angekommen darf ich aussteigen. Immerhin, der Polizist wünscht mir einen guten Rutsch, die Polizistin nicht.
Einen Strafzettel hab ich nicht bekommen. Dafür dürfte ich statt um 03.00 Uhr um 04.00 Uhr ins Bett. Toll, vielen Dank! Gut, Kontrolle ist ja verständlich. Was mich nur aufregt ist, dass mir der Polizist fast von Beginn an Drogenkonsum unterstellte. Und eigentlich ist es eine Frechheit Pupillen- und Bewegungstests zu machen und mich aufgrund der Ergebnisse davon mitzunehmen und mich unter Drogenverdacht zu stellen.
Was soll`s, jetzt hab ich wenigstens was zu erzählen. Und ich wurde auch endlich mal Kontrolliert. Irgendwann ist eben immer das erste Mal. Danke!

bluejax
Rottenburg, den 04. Januar 2006
4.1.06 19:00


Das Ende des Musikfernsehens & die Chance auf die Renaissance des Musikfernsehens?!


Was waren das noch für Zeiten: Fernsehen an. Auf Programmplatz 7 führten Niels Bokelberg, Stefan Raab
und Heike Makatsch durch ein reichhaltiges Musikprogramm. Auf Kanal 8 waren es dann Markus Kavka
mit 2Rock, Rocco Klein mit den News und Nils Ruf mit den Kamikätzchen. Und dann gab es noch auf Platz 9
das original: MTV sendete aus London und Christian Ulmen labberte sich bei MTVHot die Seele
vom Leib. Auf Englisch, natürlich.
Ach ja, die schöne alte Zeit. Schalten wir heute den Fernseher ein, sehen wir folgendes Bild:
Auf Viva laufen Klingelton-Werbungen, unterbrochen nur durch gelegentliche Musikvideos. Viva Zwei heißt
mittlerweile Viva-Plus und hat sein halbes Programm an Neun-Live angeglichen: Quizsendungen,
Raterunden et cetera. Zugegeben, tagsüber laufen auch Musikvideos, umrahmt von diversen blinkenden
bunten Balken und nur in Größe von einem drittel des Bildschirmes. Und dann gibt es ja noch den großen
Bruder MTV. Was läuft hier? Musikvideos? Denkste. Hier wird gepimpt, gekuppelt und geklingelt.
Nur Musikvideos, die sucht man vergeblich.

Die Anfänge – MTV

Seit 1983 gibt es MTV. Aus den USA heraus stand MTV immer für eine neue Jugendbewegung.
Als erstem
Musiksender gelang es den Machern rund um MTV, den Sender als Marke zu etablieren und zum
Kultprodukt zu machen. Natürlich sollte sich das Erfolgsmodell nicht nur in den USA verkaufen.
MTV Europe versorgte ganz Europa aus London und auch im Rest der Welt. Seit einigen Jahrn gibt es dann auch
MTV Deutschland. Auf Deutsch, mit deutschen Moderatoren und auf den deutschen Markt zugeschnitten.

Deutsche Konkurrenz – VIVA

1993 gründete Dieter Gorny einen Konkurrenzkanal zu MTV. Viva war der neue Stern auf dem deutschen
TV-Markt.
Viva brachte große Moderatorentalente hervor. Stefan Raab, der schon zu Viva-Zeiten in Vivasion und
Ma` kuckn rumblödelte gehört heute zu den erfolgreichsten Moderatoren des deutschen Fernsehens.
Heike Makatsch ist mittlerweile zu der Schauspieler-Riege gestoßen und hat erst kürzlich ihr überaus
großes Talent in dem Film „Keine Lieder über Liebe“ an der Seite von Florian Lukas und Jürgen Vogel
unter Beweis gestellt. Jessica Schwarz befindet sich auf einem ähnlichen Erfolgsweg im Filmgeschäft.
Nils Bokelberg moderierte zwischenzeitlich das Tredmagazin „Stroke“ auf DSF. Nova Meierhendrich,
Collin Fernandes, Janin Reinhardt, die Liste ließe sich schier endlos fortsetzen.

"It`s so good to be independent" – VIVA ZWEI

1995 bekam Viva dann einen Schwesterkanal. Unter dem Namen VIVA ZWEI wollte Gorny beweisen,
dass in Deutschland auch ein Musikkanal wirtschaftlich erfolgreich arbeiten kann, welcher sich nicht
dem Mainstream unterwirft. Damit sollte natürlich in erster Linie dem großen Konkurrenten MTV
endgültig der Gar ausgemacht werden. VIVA ZWEI sendete, was sich die beiden Großen der Szene nicht trauten:
alternative, anspruchsvolle, innovative Musik. Der Sender gab neuen und abseits des Mainstream
arbeitenden Musikern ein Forum. Mit seinem mutigen aber (wenn auch finanziell nicht ganz)
erfolgreichen Programm schaffte es VIVA ZWEI innerhalb kürzester Zeit sich eine starke Fangemeinde zu erarbeiten.
VIVA ZWEI war mehr als eine Alternative, der Sender entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum
absoluten
Kultfernsehen. Nicht nur in Deutschland.

Eines hatte VIVA ZWEI mit der großen Schwester VIVA gemeinsam: der Sender war ein wahrer
Talentschuppen
für neue Moderatoren. Unsere Helden waren
Rocco Clein
Markus Kavka
Ill-Young Kim
Tanja Mairhofer
Nils Neumann
Charlotte Grace Roche
Niels Ruf
Um nur einige zu nennen.
Einen schönen Überblick über Moderatoren und Sendungen von VIVA ZWEI gibt die Homepage
vivazwei.orange11.de.
Zu den absoluten Perlen des Senders gehörte sicherlich die Sendung 2Rock. Markus Kavka,
Niels Neumann und
Tanja Mairhofer führten durch Deutschlands einziges Rockmagazin im Fernsehen. Dabei
wurden Interviews, Musikvideos, Live-Mitschnitte, Plattentipps und so weiter vorgestellt.
Abgerundet wurde die Sendung durch die beliebten 2Rock-Charts. Hier konnten die Zuschauer per Telefon, E-Mail oder Brief ihre
Rangliste der besten Musikvideos/-songs bestimmen.

VIVA ZWEI hatte alles, was es braucht um über lange Zeit du einer absoluten Kultmarke
zu werden.
Alles, außer
den finanziellen Erfolg. 12 Millionen D-Mark Verlust bedeuteten am 01. Januar 2002 das
endgültige Aus des Senders. Da bekommt der Satz von „Man soll aufhören, wenn es
am schönsten ist!“ ein weiteres trauriges Beispiel. Denn VIVA ZWEI war schön. Nein, hätte man unter den damals zahlreichen Musiksendern
dieser Welt eine Miss-Wahl gestartet, VIVA ZWEI hätte alle hinter sich gelassen und sich
den Titel gesichert. Miss Musiksender: VIVA ZWEI!
Traurig waren nicht nur die eingefleischten Fans. Zu jener Zeit ging ein regelrechter Aufschrei
der Empörung quer durch
die deutsche Medienlandschaft. Die Feuilletons meldeten sich zu Wort. Doch es war alles vergeblich.
Pünktlich zum 01. Januar 2002 wurde VIVA ZWEI zu Grabe getragen. Rest in peace!

Immerhin sind uns einige der Moderatoren erhalten geblieben: Markus Kavka hat schon vor dem
Ende das sinkende
Schiff verlassen und sendet seitdem von MTV. Leider mit abnehmender Tendenz.
Charlotte Roche wechselte zu VIVA. Demnächst wird sie auf dem Kultursender Arte die Moderation
von „Tracks“ übernehmen.
Ill-Young Kim versucht sich laut radiobremen.de ebenfalls als Schauspieler und Musiker.
Tanja Meierhofer ereilte eine weniger ansehnliche Zukunft: sie stieg in der Daily Soap Marienhof
als Darstellerin ein.
Immerhin hat sie sich mittlerweile wieder eingekriegt und moderiert nun auf KiKA.
Traurig ist das Ableben von Rocco Klein. Er starb am 1. Februar 2004 im Alter von 35 Jahren
an den Folgen einer Hirnblutung.
Hier ein Nachruf der Sueddeutschen und von Spex Mein Beileid für alle Hinterbliebenen!
Keine Informationen finde ich über das momentane Wirkungsfeld von Nils Neumann und Niels Ruf.

Übrigens könnt ihr euch hier den Abschiedtrailer von VIVA ZWEI runterladen.
Und für alle Zwobot-Fans: Ding Dong Zwobot ist tod!

Trist und einfallslos – Früher war alles besser!

Und heute? Wie sieht heute die Musiksender-Landschaft aus?
Zuerst mal gibt es eigentlich keine Musiksender mehr! Die Musikclips
wurden durch die Handy-Klingeltöne abgelöst. Frösche, Elche und Küken beherrschen das Programm.
Unterbrochen von einigen Musikvideos.
Viva-Zwei wurde durch Viva-Plus abgelöst. Der MTV-Mutterkonzern Viacom
hat sich das Monopol auf dem deutschen Markt gesichert: Der gesamte Viva-Konzern wurde
aufgekauft. Die Folge: Aus MTV2 wurde Nickelodeon. Aus Viva Plus soll in absehbarer Zeit ein weiterer Comedy-Kanal hervorgehen. Und MTV und Viva? Die haben ihr Programm mittlerweile soweit umgestellt, dass
die Klingeltöne nicht mehr durch Musikvideos unterbrochen werden. Vielmehr verschwinden
die Musikclips zunehmend ganz aus den Programmschemata: stattdessen bekommen die Zuschauer „Pimp my whatever“, „Jackallmyasses“ und sonstige Formate zu sehen. Nur eben die Musikvideos, die wollen sie
nicht mehr zu ihrem Programm-Mittelpunkt machen. Das ist Musikfernsehen anno 2006!

Wolf-Dieter Roth trifft es auf den Punkt:
"Video killed the radio star" trällerten die "Buggles" in den 80ern.
Doch MTV & Co. gelang es nicht, das Radio zu töten. Dafür brachte das Handy mit seinen
Klingeltönen im Jamba-Dauerabo und der zugehörigen Werbung das Musikfernsehen zur Strecke

Oder wie es muscmaniacs.de es formuliert:
„Ringtones killed the Videostar“!

Wie Phoenix aus der Asche?

Ich bin davon überzeugt, dass es keinen besseren Zeitpunkt gäbe,
einen Musiksender in Deutschland zu starten, als JETZT! Ganz ehrlich, wir werden in wenigen
Wochen keinen wirklichen Musikkanal mehr im Fernsehen haben:
Viva Zwei wurde Viva Plus wird Comedykanal
Mtv wurde Pimpkanal, unterbrochen nur durch wenige Musikclips.
Viva wird zum Mtv Klon, ebenfalls mit wenigen Musikclips.
Mtv2 wurde Nickelodeon.
Und so weiter und so weiter…

Was bleibt? Richtig, eine riesen große Lücke.
Und: Das Internet! Hier gibt es mittlerweile, den einen oder anderen Musiksender, der sich
durchaus gut präsentiert:

Back to the Roots – Tunespoone

Vor einigen Wochen bekam ich den Tipp von einem Kommilitonen:
Einmal einen Blick auf tunespoon.tv werfen. Gesagt getan. Und was ich vor fand war wirklich
mehr als erfreulich:

Da haben sich ein paar Studenten der FH Furtwangen im Schwarzwald
im Jahre 2004 zusammengesetzt und überlegt, wie man den traurigen Fall des
Musikfernsehens stoppen könnte. Doch anders als viele andere, haben die Studenten
nicht nur überlegt und geschimpft, sondern sind selber aktiv geworden. So entstand ein eigener interaktiver Musikkanal, der seither per
Live-Stream unzähligen Musikfans auf der ganzen Welt zu Tränen rührt.

Tunespoon.tv ist „ein Projekt von Studenten des Fachbereichs
Digitale Medien der FH Furtwangen“ Eine „sechsköpfige Studentengruppe plus
Professor“ [pop100.de] hat es geschafft, sie zeigen den großen Einfallslosen, wie man
Musikfernsehen im dritten Jahrtausend macht.
„Zusätzlich zum Live-Streaming der Videos können
Hintergrundinformationen sowohl zu den einzelnen Künstlern als auch zum
jeweiligen Clip-Regisseur und den CDs der Künstler abgerufen werden [musikmarkt.de]

Auf den übersichtlichen tunespoon-Seiten findet man dann
auch einige Informationen über die Philosophie von tunespoon.tv.
So heißt es dort:

„Das Musikangebot der kommerziellen Musikfernsehsender
ist vorwiegend eindimensional. (…) Wir möchten dies ändern.
tunespoon ist Online-Musikfernsehen, welches einen anderen Weg geht (…)
Unser Ziel ist es, Bands und deren Musikvideos unabhängig
von ihrer musikalischen Ausrichtung eine Plattform zu bieten,
ihre Musikvideos zu spielen und ihre Musik für ein breites Publikum zu begeistern
und sie damit auf ihrem Weg zu unterstützen. Bei tunespoon sieht man Musikvideos, die man nicht alle Tage zu sehen bekommt - bei uns bekommt Qualität eine Chance.
(…) Musik, welche lediglich zu dem Zweck geschrieben wird,
um gewisse Verkaufserwartungen oder Chartplatzierungen
zu erreichen, fliegt ebenso wie gecastete Acts in hohem Bogen raus. (…)
Entscheidend ist immer das „Echtheitszertifikat“ des Künstlers.

Hochgesteckte Ziele, die Erwartungen wecken. Erwartungen,
die die tunespoon-Macher aber erfreulicherweise voll und ganz
befriedigen können.

Arbeit, die auch ausgezeichnet wurde: Sowohl den
„alternativen Medienpreis“, wie auch den „Grimme Online Award“
bekam tunespoon.tv 2005 verliehen. Auszeichnungen, die sich
der alternative Musiksender redlich verdient hat.

„Interessant auch die Zusammenarbeit mit Tonspion.de.
Diese Website sammelt seit 5 Jahren Links zu kostenlos
downloadbaren MP3-Musikstücken. Sie stellen nun Musikvideos
zusammen und senden sie über Tunespoon. Und hier lassen sich dann auch direkt die entsprechenden MP3’s runterladen.“ [journalstenakademie.de]

Wer also frustriert ist, über den antimusikalischen Einheitsbrei
der großen TV-Musiksender, der sollte sich wirklich mal tunespoon.tv
anschauen.
All jene, die Wert auf gute Musik legen und die noch in Trauer um
Viva-Zwei leben, werden an diesem neuen Musikclip-Kanal ihre helle Freude haben.

„Das Musikfernsehen ist tot – es lebe das Musikfernsehen!“ [spex.de]

Eine weitere Alternative zu MTVIVA bietet auch
popzoot.tv. Hier werden Musikclips im Internet verlinkt.

Wie man sieht, es tut sich was im Musikclip-Geschäft.
Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis es eine wahre Alternative zu
MTV und VIVA auch im „normalen“ Fernsehen zu sehen geben wird.
Dafür braucht es aber auch eine starke Allianz, die sich erfolgreich gegen die großen 2 stellen kann. Kompetente Fachleute, Innovative Köpfe und natürlich: Kapital.
Wie gesagt, es wäre im Moment die beste Zeit, um über einen
alternativen Musik-Sender
nachzudenken. Nein, nicht um darüber nachzudenken, es ist die
perfekte Zeit, um einen neuen Musiksender zu konzipieren, auf die Beine zu stellen.

Die Idee eines alternativen Musikfernsehens

Lassen wir doch mal unsere Gedanken schweifen. Wie könnte
ein erfolgreicher Musiksender aussehen? Welche Leute kämen
dafür in Betracht?
Erst einmal würde ich einen großen Tel der damaligen
Viva-Zwei-Macher reaktivieren. Menschen, die sich n der Branche
auskennen und etwas Know-How mitbringen. Leute wie Marcus Wolter,
heute Geschäftsführer bei Neun Live.
Dazu würde ich die Macher und Kompetenzen von tunespoon.tv
mit einbeziehen.
Von den Erfahrungen und Kenntnissen der Moderatoren
Markus Kavka, Charlotte Roche etc. könnte man ebenfalls profitieren.
Auch die Redaktionen von laut.de, Visions, popzoot.tv oder
tonspion sollten integriert werden. Einige Impulse könnte man auch
von Tita von Hardenbergs Polylux-Redaktion bekommen.
Um ein Schicksal wie Viva oder Viva-Zwei zu vermeiden,
sollte man vielleicht überlegen, den Sender als öffentlich-rechtlichen
Kanal aufzubauen. Wie wäre es damit, einen Musiksender unter die
Fittiche von Arte zu stellen?
Zusammengefasst sähe das Team dann folgendermaßen aus:

Arte + (Ex-)Viva-Zwei + tunespoon.tv + Marcus Wolter + Visions
+ laut.de + popzoot.tv + tonspion + Markus Kavka + Charlotte Roche
+ Polylux + „Xxxxxxxxx“

Es ist nur eine Idee, ob sie von Erfolg gekrönt wäre, keine Ahnung.
Eines ist allerdings sicher: jeder Versuch einen neuen Musiksender
aufzubauen würde ein erfreulicheres Resultat erbringen, als das,
was wir heute von MTV und Viva geboten bekommen. Es kann nur besser werden!

bluejax
Rottenburg, den 02. Januar 2006


Quellen und Links:

VIVA ZWEI lebt:
http://www.alexmusic.net/tele/musicsat/v2/
http://www.pizzaheros.com/Specials/Viva2tot/Viva2index.htm
http://www.viva-zwei-clips.de.vu/
http://members.fortunecity.de/equinoxx/viva2.html
http://www.vivaplus.net/
http://vivazwei.orange11.de/
http://www.zwobotsgeist.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Viva_Zwei

VIVA ZWEI Clips
http://www.popzoot.tv/video/zwobot_dingdong.wmv
http://vivazwei.orange11.de/vivazwei.zip

VIVA ZWEI-Moderatoren:
http://www.charlotteroche.de/
http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/29/26003/
http://www.spex.de/web/texte.php?id=243
http://www.markus-kavka.de/main.php?seite=viva2.htm
http://www.tanja-mairhofer.de/
http://www.radiobremen.de/tv/tatort/darsteller/kim_ill-young.html
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00005UVOJ/
qid=1134652187/sr=1-7/ref=sr_1_11_7/302-5714991-1467241
http://de.wikipedia.org/wiki/Rocco_Clein
http://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Kavka
http://de.wikipedia.org/wiki/Ill-Young_Kim
http://de.wikipedia.org/wiki/Tanja_Mairhofer
http://de.wikipedia.org/wiki/Charlotte_Grace_Roche
http://de.wikipedia.org/wiki/Niels_Ruf
http://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Gosejohann

VIVA ZWEI-Artikel
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/11/11576/1.html
http://www.taz.de/pt/2002/01/14/a0141.nf/text
http://www.fluter.de/look/article.tpl?IdLanguage=
5&IdPublication=2&NrIssue=32&NrSection=20&NrArticle=3397
http://www.faz.net/s/Rub8A25A66CA9514B9892
E0074EDE4E5AFA/Doc~E76F5A1E35D1D43AB9177E7874C4E6215~
ATpl~Ecommon~Scontent.html

Sonstiges:
http://de.wikipedia.org/wiki/MTV
http://de.wikipedia.org/wiki/Tunespoon
http://www.tunespoon.de/
[http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21656/1.html

Tunespoon-Presse:
http://www.tonspion.de/newsartikel.php?id=884
http://www.pop100.de/news_detail.php3?id=2103
http://www.spex.de/web/news.php?id=1283
http://www.musikmarkt.de/content/news/news_archiv.
php3?bid=10417&begriff=tunespoon&auts=1009839600&buts=
1116176526&methode=1&afb=1&katparam=7|84|92|93|94|95
|96|104|36|85|86|87|88|89|90|91-8|37-38|39|41|40|42|49|43|61|63|64|65|66|67-20|21&kate2=News&art=quick&next2=0,25,1
http://www.br-online.de/jugend/zuendfunk/themen/netz/
tunespoon.shtml
http://www.musicmaniacs.de/cms/front_content.php?
client=1&lang=1&idcat=37&idart=369
http://www.spex.de/web/news.php?id=1374&ex=1&ap=15
http://www.visions.de/news/4984
http://www.swr3.de/info/magazin/tunespoon/
http://www.journalistenakademie.de/lesepr/ampsite/
laudatio2005.html#online1
http://www.unicum.de/evo/4832_1
http://www.study-guide-bw.com/index.thtml?id=709&
show=news
2.1.06 00:58


Trash Trash Hurra! - Verrücktes Amerika


Weihnachtszeit. Das heißt Trash, Kitsch und jede Menge Klimbim. In Deutschland und Europa ist es ja schon ganz schön schlimm aber die Menschen in den USA können dem Ganzen noch mal eine Steigerung verpassen.
Gerade eben komme ich von meiner morgendlichen (morgen??? ähhhh,…) Pflichtlektüre bei Spiegel-Online. Und dort habe ich den Artikel „Weihnachts-Wahnsinn - Die wilde Geschichte vom Flacker-Haus“ über das Weihnachtshaus von Carson Williams gelesen.
Was soll ich sagen? Schaut euch das Video zuerst selber an. Unter dem hiesigen Link könnt ihr euch das gute Stück runterziehen (5 MB).

So, angeschaut? Und, was sagt ihr dazu? Genau, ich dachte auch, dass es ein Fake ist. Aber dann hab ich mir den Artikel von Spiegel.de ganz durchgelesen und musste feststellen, dass es scheinbar wirklich dieses Haus mit diesem Lichter-Musik-Spektakel gibt. Verrückt was?

Laut Spiegel.de entstand dieses Video vor etwa einem Jahr. Damals stattete der Familienvater Carson Williams sein Haus mit 16.000 Glühbirnen (dieses Jahr sogar 25.000 Stück) und einer 88-Kanal-Lichtorgel aus und zauberte dieses Spektakel. Danach stellte er ein Video davon in ein Internetforum, zu Beginn des Jahres 2005. Anfang November 2005 dann schließlich wurde eine Lawine in Gang gesetzt. Das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer rund um den Globus. Fernsehen, Radio und Tausende von Schaulustigen belagerten in den folgenden Wochen das Xmaslights-Haus. Carson Williams selber wurde sowas wie ein kleiner Star.

„Jeden Tag wurden die Autoschlangen länger, das Licht-Display ging zu einem geregelten Betrieb von 18 bis 22 Uhr über: `Showtime!`“ (spiegel.de)

Die Musik ("Wizard in Winter") kann mit einem einfachen UKW-Sender, etwa mit einem normalen Autoradio, empfangen werde.

Das ganze ging soweit bis ein Polizeieinsatz durch die von den Schaulustigen verursachten Staus behindert wurde. Williams zog am 07. Dezember den Stecker und seither ist es wieder dunkel in Deerfield, Ohio.

Unter wonderlandchristmas.com kann man sich übrigens die Schaltpläne des ganzen Spiels anschauen. Falls jemand von euch vielleicht Lust haben sollte selber auch sein Haus in eine Weihnachtshölle zu verwandeln. Auf der Seite findet ihr auch weitere Informationen rund um das Carson-Williams-Haus. Ebenso können sowohl Videos von „Wizards of Winter“ als auch vom `Nachfolger` „Jingle Bells“ runtergeladen werden!

Todesstrafe, CIA, Irak… Ach ja, wenigstens in Ohio scheint die heile Welt noch in Ordnung. Auf was ich jetzt noch warte ist eine Reaktion von unserem lieben Freund Claus Christian Malzahn, ganz nach dem Motto: „Trashing statt Spenden“ !

bluejax
Erfurt, den 14. Dezember 2005


Quellen:
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzkultur/0,1518,390162,00.html
http://www.snopes.com/photos/arts/xmaslights.asp
http://www.wonderlandchristmas.com/wizardsofwinter.php

Das Video:
http://alt.coxnewsweb.com/daytondailynews/video/christmaslights.wmv?no_owrap=true
http://www.wonderlandchristmas.com/av/Wizards.wmv
14.12.05 14:20


Siddharta – eine tiefsinnige Suche nach der Erkenntnis


Und wieder ein Buchtipp von mir! Diesmal stelle ich ein Werk eines Mannes vor, der zu seinen Lebenszeiten für seine Autorentätigkeit den Literaturnobelpreis gewann und zu den größten deutschen Schriftstellern gehört: „Sidharta“ von Hermann Hesse.

Siddharta ist ein angesehener junger Brahamane. Seine Familie erfüllt er mit Stolz, sieht sie in ihm doch einen großen Weisen und Priester heranwachsen. Doch Siddharta folgt nicht dem Weg, den seine Eltern gerne sehen würden. Sein unbändiger Wissensdurst beginnt ihn an den Lehren zweifeln zu lassen. Er verlässt sein Elternhaus und begibt sich auf die Suche nach Atman, dem wahrhaftigen Ich. Siddharta und sein Jugendfreund Govinda schließen sich den Samanas an, wo sie als Bettler durch die Welt streifen und Askese lernen: Enthaltsamkeit, Fasten und Meditation. Doch auch hier wird Siddharta nicht glücklich. So verlassen sie nach einigen Jahren wieder das Leben als Samana und treffen Gotama, den Buddha. Von seiner Lehre begeistert, schließt sich der Freund Govinda Buddha an und lebt fortan in dessen Gefolge. Siddharta aber begibt sich abermals auf die Suche.
In einer Stadt trifft er auf Kamala, eine wunderschöne Kurtisane. Siddharta geht bei Kamala in die Lehre, lernt das Geheimnis der Liebe und des Liebens kennen. Dafür wird er Kaufmann, verdient Geld und wird in der Folge ein reicher und angesehener Mann. Doch irgendwann erkennt er, dass auch dies in nicht glücklich macht. Dass es ihn sogar zerstört. Wieder nimmt Siddharta Abschied und abermals macht er sich auf die Suche. Bis er an einem Fluss eine folgenschwere Bekanntschaft macht. Infolgedessen lässt er sich an diesem Fluss nieder, geht in die Lehre bei einem Fährmann und dem Fluss selber. Doch seine Vergangenheit holt ihn alsbald wieder ein.

Kennt ihr das, ihr möchtet unbedingt ein neues Buch lesen, aber habt keine Ahnung, Welches? So geht es mir des Öfteren und so ging es mir auch vor etwa einer Woche. Ich habe die hiesigen Buchhandlungen durchstöbert, Amazon und das Internet. Schließlich bin irgendwann auf den „Steppenwolf“ von Hermann Hesse gestoßen. Gut, ab in die Buchhandlung und kaufen. Aber dann hab ich es mal wieder nicht geschafft, das gewünschte Buch einfach zu schnappen und gleich wieder raus zu gehen. Nein, ich musste auch die anderen Bücher von Hermann Hesse durchblättern. Dabei ist mir dann auch schließlich „Siddharta“ in die Hände gefallen. Und was soll ich sagen? Ja, die Geschichte von Siddharta hat mich so fasziniert, dass ich den „Steppenwolf“ wieder zurück ins Regal gestellt und stattdessen „Siddharta“ gekauft habe. Und ich habe es nicht bereut!

„Siddharta“ erinnert mich sehr stark an die Geschichte in „Der Alchimist“. Ich wette sogar, dass Paulo Coelho selbst „Siddharta“ gelesen hat, bevor er den Alchimisten schrieb!
Wieder macht sich ein junger Bursche auf die Suche nach einem Schatz. Wieder verlässt er sein altes Leben und macht viele Abenteuer, die ihn prägen und lehren. Bei „Siddharta“ geht es diesmal nicht um einen materiellen Schatz. Vielmehr sucht Siddharta den Sinn des Lebens, eine Lehre, die ihn glücklich macht. Die Wahrhaftigkeit. Dabei lernt er die unterschiedlichsten Lebensweisen kennen: bei den Samanas lernt er das arme Leben. Abstinent und mittellos streift er umher. Dann in der Stadt als Kaufmann lernt er die andere Seite kennen: Er taucht ein in die Welt der Lüste, des Reichtums. Hesse hat dieses Kapitel mit der Schrift „Bei den Kindermenschen“ überschrieben. Als Samana hatte Siddharta immer etwas herabwürdigend auf das Leben der „normalen“ Menschen geschaut, hatte in ihnen eher Kinder gesehen. Menschen, die ein Leben führten ohne Sinn. Ein Leben, welches sie nie auf das Niveau, auf die Ebene eines Gelehrten, eines Mönches, eines Samana kommen lässt. Und dennoch lernt er, dass die Kindermenschen glücklich sind mit sich und ihrem Leben. Dass sie ganz anders denken, andere Prioritäten setzen und andere Ansichten haben. Doch Siddharta lernt auch die Schattenseiten kennen: Habgier, Sucht und Eitelkeit.
Hesse schafft es eindrucksvoll die Fehler der heutigen Gesellschaften darzustellen. Er zeigt wo die Fehler liegen und übt Kritik daran. Das ist besonders erstaunlich, wenn man sich veranschaulicht, aus welchem Jahre „Sidharta“ stammt. Das Buch wurde zum ersten Mal im Jahre 1922 veröffentlicht. Aber der Inhalt und die Gesellschaftskritik könnten aktueller nicht sein.
Ein weiterer Aspekt, den Hermann Hesse in „Siddharta“ behandelt ist die Lehre, die Religion. Siddharta macht sich auf die Suche nach der wahrhaftigen Lehre und er muss letztendlich feststellen, dass es diese nicht gibt. Vielmehr stehen Handlungen und das Leben selber im Mittepunkt des Lebens. Jeder Mensch muss für sich selber herausfinden, woran er glaubt, was ihn glücklich macht und wie er lebt. Eine allgemein gültige und wahrhaftige Lehre gibt es nicht. Eine (kirchliche) Religion, eine Lehre, ist nicht das Wahrhafte. Zwar kann es dem einen oder anderen Halt und Erfüllung geben. Aber dem übergeordnet ist etwas anderes: das Ich, die Selbsterkenntnis, die eigene Seele. Nur wer mit sich im Reinen ist und sich selber kennt, kann sagen, dass er den „Schatz“ gefunden hat.
Nicht Wort und Lehre, sondern Liebe und Ding sind es, an was wir glauben sollen.

Ich sehe in „Siddharta“ eines der besten Bücher, welches ich je gelesen habe. Es ist ein Buch, welches viele Lebensweisheiten und Lebenshilfen beinhaltet. Ob Thema Glaube, Thema Gesellschaft oder das Thema des Loslassens zwischen Eltern und Kind, „Siddharta“ enthält viele (neue) Erkenntnisse.
Hermann Hesse hat die Fähigkeit mit Worten zu verzaubern. Der Schreibstil und die Ausdrucksweise in „Siddharta“ sind wirklich beeindruckend.
Tiefsinnig, erkenntnisreich und voller Weisheiten. Es ist wirklich kein Wunder, dass Hermann Hesse den Literaturnobelpreis gewonnen hat!

Seite 134:
„Die Welt zu durchschauen, sie zu erklären, sie zu verachten, mag großer Denker Sache sein. Mir aber liegt einzig daran, die Welt lieben zu können, sie nicht zu verachten, sie und mich nicht zu hassen, sie und mich und alle Wesen mit Liebe und Bewunderung und Ehrfurcht betrachten zu können.“
Om!

bluejax
Erfurt, den 11. Dezember 2005

Hesse, Hermann: Siddharta – Eine indische Dichtung; Suhrkamp Verlag; ISBN: 3-518-41623-5;Frankfurt am Main 2004
11.12.05 18:11


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