bluejax
  Startseite
  Archiv
  Impressum
  Bisherige Einträge - Übersicht
 
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 
Freunde
   
    purzell

    - mehr Freunde




kostenloser Counter



http://myblog.de/bluejax

Gratis bloggen bei
myblog.de





Links
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  iserman.kepler.covenant
  nachgedacht
  gefalleneengel
  extrablog
  meine-tagtraeume
  staymellow
  meadow-stomper
  linksalarm
  
  AG Fernsehforschung
  ARD Media Perspektiven
  IfMK TU Ilmenau
  IPTV Blog
  KEK-online.de
  Medienrauschen.de
  Quotenmeter.de
  TVblogger.de
  Was mit Medien
  
 
Schockierende Studien-Ergebnisse – Ausländerfeindlichkeit in Thüringen?!?!


Ja, wie gesagt, sind wir gerade mitten in der redaktionellen Vorbereitungsphase unserer Live-Sendung. Sendetermin ist der kommende Mittwoch, ab 21 Uhr.
Nun habe ich auch etwas recherchiert und bin dabei auf eine Studie [1] gestoßen, die auf mich ziemlich schockierend wirkt.
Auf der Homepage der Thüringer Landeszeitung (TLZ) hieß es unter der Überschrift: „Nach wie vor Skepsis gegen Fremde“ [2], dass
„Fremdenfeindliche Tendenzen im Freistaat ungebrochen“ seien. Und auch bei der Thüringer Allgemeinen fand ich einen entsprechenden Artikel. Hier hieß es
nun „Bedenkliche Entwicklung“ [3].
Beide Artikel beriefen sich auf die Ergebnisse einer Studie, die regelmäßig in Thüringen durchgeführt wird. Im Auftrag der Thüringer Landesregierung führt
Infratest dimap einmal im Jahr eine repräsentative Telefonbefragung unter 1000 wahlberechtigten Thüringern durch [2], um die „politische Kultur im
Freistaat Thüringen“ zu untersuchen.
Primär wird die Einstellung der Menschen rund um den Einigungsprozess untersucht. Wie sehen die Thüringer die Einheit und was empfinden sie bei diesem
Thema? Dazu wird auch das Demokratieverständnis unter die Lupe genommen. Wie sind die Menschen gegenüber demokratischen Grundwerten eingestellt?
Zur Abrundung gibt es auch einen Teil, der sich der Fremdenfeindlichkeit
der Thüringer widmet. Wie sehr sind rechtsextremistische Einstellungen und Fremdenfeindlichkeit verbreitet? Was denken die Menschen über Ausländer und
was über die NS-Zeit.
Und „bedenklich“ ist angesichts der Ergebnisse, die diese Studie hervorbrachte wirklich mehr als untertrieben. Denn was in dieser Untersuchung zu Tage
kommt ist besorgniserregend. Mehr noch, es ist erschreckend. Schockierend!
Im ersten Teil der Studie wird gefragt, wie sich die Thüringer als Ostdeutsche von den Westdeutschen behandelt fühlen. Dabei stellt sich raus, dass sich ein
großer Teil vom Westen diskriminiert fühlt. Interessant dabei ist ein Abschnitt auf Seite 25, wo es heißt:

„So fühlt sich von den Befragten, die wöchentlich mit Westdeutschen zu tun
haben, nur eine Minderheit diskriminiert. Hingegen gilt dies für fast drei Viertel derjenigen,
die Bürger der alten Bundesrepublik nur aus den Medien oder aus Erzählungen Dritter kennen. Für die Wahrnehmung der Westdeutschen in Thüringen
bestätigt sich damit
scheinbar die in der Vorurteilsforschung diskutierte Kontakthypothese. Danach verbessert
sich die Einstellung gegenüber Fremdgruppen mit steigender Kontakthäufigkeit.“

Interessant ist, dass gerade diejenigen Thüringer sich schlecht behandelt fühlen, die keinen Kontakt zu Westdeutschen haben. Ebenso spannend ist der
Verweis auf die Kontakthypothese. Könnt ihr euch noch an meinen Artikel vom 23. August 2005: Damals habe ich unter der Überschrift
“Lernen von anderen Kulturen – Bunte Vielfalt in Deutschland“ die Schizophrenie der
Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland behandelt. Wenig Ausländer, viel Rechte Gewalt. Damals habe ich die These aufgestellt, dass der fehlende
Kontakt zwischen den verschiedenen Kulturen mit daran verantwortlich sein könnte. Zu diesem Zeit Punkt
hatte ich von der Kontakthypothese noch nichts gehört.

Weiter zum Monitor-2005:
Erschreckend ist, die Untersuchung nach dem Demokratieverständnis der Bevölkerung Thüringens. Auf Seite 59 heißt es:

„…hat sich der Anteil der Antidemokraten seit dem Jahr 2001 etwa
verdoppelt, verbleibt aber mit nunmehr knapp neun Prozent weiterhin auf einem niedrigen
Niveau. Zusammen mit der Gruppe der Nichtdemokraten ergibt sich ein gutes Fünftel der
Befragten, das der demokratischen Werteordnung ablehnend gegenübersteht.“

Na ja, ob 9% Antidemokraten ein niedriger Wert ist bleibt wohl eher relativ gesehen. Kann man drüber streiten. Was ich aber alles andere als niedrig
finde ist der Gesamtwert von gut einem Fünftel, der dem demokratischen ablehnende gegenübersteht. Das sind mehr als 20%! Was ich mich Frage:
Wünschen sich die Menschen „die guten alten DDR-Zeiten“ zurück, weil sie der Meinung
sind, dass die damalige Zeit einfach besser war oder aber lehnen sie die Demokratie als Staats- & Werteform grundsätzlich ab?

Meiner Einschätzung nach ist diese Unzufriedenheit eher woanders zu suchen:

„Wie die Demokratiezufriedenheit ist in diesem Jahr auch das Vertrauen in die politiknahen
Institutionen zurückgegangen.“ (Seite 63)

Ich vermute, dass dies ein ausschlaggebender Punkt ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so viele Menschen die Demokratie gegen eine andere
Staatsform eintauschen möchte. Eher sehe ich den Frust über die momentane Konjunkturschwäche und die schleppende Politik als Ursache, dass sich
die Menschen nach anderen „Lösungen“ sehnen bzw. ihren Unmut Luft verschaffen.

Die politische Einstellung wurde aber noch weiter untersucht. Diesmal in Bezug auf Fremdenfeindlichkeit & rechtsextremistische Einstellungen.
So wurden 10 Fragen gestellt,

„die sechs Dimensionen des Syndroms erfassen: Ausländerfeindlichkeit, Sozialdarwinismus, überstarken Nationalismus (Chauvinismus),
Antisemitismus,
die Unterstützung einer rechten Diktatur und die Verharmlosung des nationalsozialistischen Regimes“ (Seite 63)

Und besonders hier kommen zutiefst schockierende Ergebnisse zutage:

„Bei der diesjährigen Befragung hat vor allem die rassistische Dimension der Ausländerfeindlichkeit, die Aussage zur gefährlichen Überfremdung durch
Ausländer
also, erneut deutlich an Zustimmung gewonnen. Sie wird mittlerweile von 60 Prozent der Thüringer bejaht.“ (Seite 63)

Und weiter heißt es,

„dass beispielsweise Befragte mit ausländerfeindlichen
Einstellungen mit hoher Wahrscheinlichkeit zugleich überproportional starke nationalistische
und antisemitische Orientierungen haben“ (Seite 63)

Wie ich ja in meinem vorher schon mal zitierten Artikel geschrieben habe, ist die hohe Fremdenfeindlichkeit besonders durch die geringe
Ausländeranzahl
in Thüringen widersprüchlich. Und auch in der Studie wird dieser Sachverhalt festgehalten:

„Überfremdungsängste vor dem Hintergrund eines Ausländeranteils im Freistaat von etwa
zwei Prozent“ (Seite 68)

Beunruhigend ist nicht nur, dass die Ausländerfeindlichkeit gestiegen ist, sondern, auf welchem Niveau sie sich befindet:

„Wie bei der sozioökonomisch motivierten Ausländerfeindlichkeit ist die Zustimmung innerhalb der vergangenen fünf Jahre von einem hohen
Ausgangsniveau
nochmals um 20 Prozent oder zehn Prozentpunkte gestiegen.“

Nicht „nur“ Ausländern an sich stehen die Thüringer erschreckend ablehnend gegenüber. Auch Lebensgemeinschaften zwischen Menschen aus
Deutschland und
anderen Nationen genießen relativ hohe Ablehnungswerte:

„Lediglich ein gutes Fünftel der Befragten war 2005 noch der Meinung, dass Ausländer nur untereinander heiraten sollten.“

Also, dass die Studie hier das Wort „lediglich“ verwendet finde ich mehr als unangebracht. Sind etwa 20% Ablehnung wenig? Nicht dass so viele
Menschen „nur“
skeptisch gegenüber „Vielfalts-Ehen“ (finde ich persönlich ein schöneres Wort als „Mischehen“; Vielfalt ist doch ein positives Wort!) sind.
Nein, 20% sind der Meinung, dass Ausländer nur untereinander heiraten sollten. Sagt mal, wo leben wir
denn eigentlich? Ach ja, in Deutschland!

Auf Seite 69 werden dann einige Fragen und die Antworten in Prozent angegeben. Schaut euch die Ergebnisse an. Nein, ich habe mich nicht
verschrieben, die
genannten zahlen habe ich aus dem Dokument zur Studie! [1]

„Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet.“
 60%
„Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.“
 58%
„Ausländer sollten grundsätzlich ihre Ehepartner unter den eigenen Landsleuten auswählen.“
 21%
„Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten.“
 20%
„Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns.“
 14%

Also so mittlerweile komme ich mir ganz schön komisch vor. Sagt mal, wo bin ich hier eigentlich gelandet? Wen haben die Leute von
Infratest dimap befragt?
Sollen das wirklich die Antworten der Thüringer Bevölkerung sein. Ist das Repräsentativ?
Na ja, so wie es scheint: Ja!
Dabei habe ich die Thüringer bisher als ein wirklich aufgeschlossenes und tolerantes Völkchen kennen gelernt. Aber ich kenne natürlich auch
nur einen kleinen Teil.

Die Ergebnisse zusammengenommen

„ergibt sich für das Jahr 2005 ein Anteil von 22 Prozent rechtsextrem Eingestellten.“ (Seite 70)

Der Hammer, was?! 22% der Thüringer sind nach dieser Studie rechtsextrem eingestellt. Das ist fast ein Viertel der hiesigen Bevölkerung.
Gut, man kann sagen:
die große Mehrheit ist nicht rechtsextrem eingestellt und dies sollte man auch nicht vergessen. Aber dennoch ist dies ein erschreckendes,
ein schockierendes Ergebnis!

Woran kann das liegen? Daran – wie ich schon mal gemutmaßt habe – dass es wenig Kontakt zwischen Deutschen und Ausländern gibt?
Ein Aspekt scheint zumindest die hohe Arbeitslosigkeit im Osten zu sein. So heißt es auf Seite 71:

„entsprechende Orientierungen unter den Erwerbslosen weitaus stärker verbreitet als bei Befragten, die ganztägig einer Arbeit nachgehen
… 42 Prozent der Arbeitslosen
nach der oben erläuterten Definition als Rechtsextreme gelten müssen – im Vergleich zu 16 Prozent unter den Thüringern, die ganztägig
eine Erwerbstätigkeit ausüben.“

Das wäre zumindest eine Erklärung. Nach dem Motto: „Ich kenne in meinem Freundeskreis nur Deutsche und davon sind viele Arbeitslos.
Im Fernsehen höre ich aber
von vielen Ausländern, die eine Arbeitsstelle haben.“. Ja nee, is` klar. „Dönerbuden für Deutsche!“

Weiter geht es in der Studie Monitor-2005: Infratest dimap kommt zu dem Ergebnis, dass ein großer Zusammenhang zwischen DDR-Sicht &
Fremdenfeindlichkeit besteht:

„kontinuierlich starker und höchst signifikanter Zusammenhang zwischen einem positiven DDR-Bild und dem Wunsch nach einer Rückkehr
zur sozialistischen
Ordnung mit dem Rechtsextremismus. Entgegen dem antifaschistischen Selbstverständnis des einstigen „Arbeiter- und Bauernstaats“ ist
dieser Zusammenhang positiv.“ (Seite 72)

Soviel zum Thema „antifaschistischer Schutzwall“ und der Überzeugung, dass es in der DDR keine rechtextreme Gesinnung gab

„Bewertung der deutschen Einheit … Befragte, die mehr Vor- als Nachteile sehen, neigen ausländerfeindlichen, nationalistischen und
rassistischen Positionen sehr viel
weniger zu als Befragte, bei denen das Urteil umgekehrt ausfällt.“ (Seite 73)

Auch wenn die Studie auf Seite 74 zu dem Ergebnis kommt, dass

„Rechtsextreme Einstellungen in Thüringen als Ergebnis enttäuschter Hoffnungen interpretiert werden können.“

Sehe ich darin keine wirklich überzeugende Erklärung. Ist es wirklich der Ernst vieler Thüringer aus Frust über die eigene Situation
Menschen aus
anderen Nationen abzulehnen? Das kann doch keine Berechtigung sein. Und erst recht keine Legitimation! Wieso verdammt
noch mal, muss man den Frust an anderen Menschen auslassen? Wieso eigenes Versagen und eigene Schwächen
auf Ausländer projizieren?
Also ich bin der Meinung, dass hier ein enormer Aufklärungsbedarf besteht. Man muss den Menschen klar machen, dass niemand
anderes, vor
allem nicht eine bestimmte Gruppe, für die eigene Situation verantwortlich ist. Menschen aus anderen Nationen sind genauso
Menschen wie Deutsche; sie haben dieselben Rechte und das Anrecht auf Toleranz. Mensch Thüringer wacht auf!
Und nebenbei: ohne Ausländer würde Deutschland nicht funktionieren!

Die Studie Monitor-2005 schließt mit dem Fazit ab, dass eine

„besorgniserregende Häufigkeit rechtsextremer und besonders ausländerfeindlicher Einstellungen vorherrscht; letztere haben
2005 Zustimmungswerte
von bis zu 60 Prozent erhalten.“ (Seite 82-83)

Ich hoffe inständig, dass sich dieses Ergebnis in den kommenden Jahren wieder wendet. Es kann doch nicht sein, dass hier 60%
als ausländerfeindlich
zu gelten haben.
Was kann man dagegen tun? Ich bin immer noch der Überzeugung, dass ein intensiverer Kontakt zwischen verschiedenen
Nationalitäten helfen
kann und Vorurteile abbaut. Wenn Deutsche und Ausländer sich alltäglich begegnen, sich kennen lernen und sich anfreunden,
ja, dann werden auch die Thüringer merken, dass jeder Mensch, ob aus Europa, aus Asien, aus Afrika, aus
Australien oder aus Amerika gleich ist. Nicht umsonst spricht man von der Weltbevölkerung. Ein Volk, welches auf der ganzen Welt
lebt – und jeder einzelne ist Teil davon, gleich welcher Hautfarbe oder Nationalität!

bluejax
Erfurt, den 14. November 2005

Quellen:

[1] Thüringen Monitor 2005, „Politische Kultur im Freistaat Thüringen“
http://www.thueringen.de/imperia/md/content/homepage/th_ringen_monitor_2005_endfassung.pdf

[2] TLZ, „Nach wie vor Skepsis gegen Fremde“
„Fremdenfeindliche Tendenzen im Freistaat sind ungebrochen“
http://www.tlz.de/tlz/tlz.onlinesuche.volltext.php?zulieferer=tlz&redaktion=redaktion&dateiname=dateiname&kennung=on2tlzTHU
ThuNational38665&catchline=catchline&kategorie=kategorie&rubrik=
Thueringen®ion=National&bildid=&searchstring=monitor&dbserver=1&dbosserver=1&other=

[3] Thüringer Allgemeine, „Bedenkliche Entwicklung“
http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta.onlinesuche.volltext.php?zulieferer=ta&redaktion=redaktion&dateiname=dateiname&
kennung=on2taPOLPolNational38665&catchline=catchline&kategorie=kategorie&rubrik=
Politik®ion=National&bildid=&searchstring=monitor&dbserver=1&dbosserver=1&other=
14.11.05 19:36
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Partisan* / Website (17.11.05 17:18)
Sag ich doch! Die Zone ist ein Jammertal, selbst Freiheit, Demokratie und Aldi-Schnaps schaffen es nicht aus diesen Höllenbewohnern endlich vernunftbegabte Menschen zu machen... Peeee*

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung