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Spiel mir das Lied vom Sieg – Revolverhelden unter uns


So, das war es gestern also: das heiß ersehnte TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel. Und es war wie wir es eigentlich schon vorher vermutet hatten: nix besonderes!
Also ich war jetzt wirklich nicht vom Hocker gerissen. Beide Kandidaten hatten jetzt nicht wirklich Bäume ausgerissen und es kam nichts, was jetzt irgendwie besonders bemerkenswert oder unvorhersehbar war.
Was mich dann heute schon sehr viel mehr verwundert ist, dass es scheinbar doch einige geben soll, die Merkel als Gewinnerin des gestrigen Abends gesehen haben wollen. Mmmhhh, hab ich irgendwas verpasst?
Klar, es ist ja immer so, dass man seinen Favoriten als Gewinner sieht und vom Gegner enttäuscht ist. So war es ja auch gestern im auf das Duell folgenden Bericht auf RTL zu sehen: Da wurden die SPD-Anhänger befragt, die Schröder als Sieger sahen; und da wurden CDU-Anhänger befragt, die Merkel feierten. Ja und so zieht es sich auch durch die restliche Presse und auch durch die Bevölkerung durch: Jeder sieht seinen Liebling vorne.

Ganz besonders aufgefallen ist mir dies mal wieder bei Bild, besser gesagt bei Bild-Online.
Bild.T-Online.de „ist ein Joint Venture der Axel Springer AG und der T-Online International AG. Dabei ist die Axel Springer AG mit 63 Prozent, die T-Online International AG mit 37 Prozent am Unternehmen beteiligt.“ [1]

Unter der Überschrift „Frau gegen Mann – Merkel oder Schröder, Wer war besser?“ versucht Bild-Online das gestrige Duell zu beleuchten und lässt dabei einige ausgesuchte „Experten“ zu Wort kommen:

1. Frank Schirrmacher (45), Herausgeber „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Merkel war schon deshalb glänzend, weil sie mit dem Amtsinhaber mithalten konnte. (…)“
Sieger: Merkel
Mein Kommentar: Toll, nur weil sie angeblich mit Schröder mithalten konnte hat sie das TV-Duell gewonnen? Versteh ich nicht! Außerdem hatte ich den Eindruck, dass Schröder auch gestern einige Stufen höher anzusiedeln ist als Merkel und ich fand sie konnte mit ihm nicht mithalten (ist aber subjektiv). Sie wich deswegen auch immer wieder aus und sagte ihre auswendig gelernten Sätze auf, um nicht konkret werden zu müssen.
Die FAZ gilt gemeinhin als konservative Zeitung; sie „ist politisch liberal-konservativ orientiert.“ [2]

2. Helmut Markwort (68), Chefredakteur „Focus“: „Die Herausforderin war faktenstark, nach vorne gerichtet. (…) Merkel sprach dagegen klar und direkt über die Zukunft, ließ alle Polemik souverän an sich abprallen.“
Sieger: Merkel
Mein Kommentar: Aha, Faktenstark. Ja, deswegen ist sie auch immer wieder auf andere Themen ausgewichen. Zum Beispiel die Frage zu George W. Bush: Hat sie da irgendetwas dazu gesagt? Nein, sie kam mal wieder auf „Probleme und Fehler von Rot-Grün“. Auch an anderen Stellen habe ich eher Fakten vermisst. Da konnte Schröder vergleichsweise mehr sagen!
Aber das kennen wir ja von Helmut Marktwort, immer schön die CDU unterstützen und gegen SPD/Grüne Stimmung machen.
Der „Focus“ gehört zum Burda-Verlag und ist klar unionsnah! Helmut Markwort selber ist Mitglied bei der FDP [3] Der Verleger Hubert Burda wurde 2004 mit dem Zukunftspreis der CDU-Ausschüsse geehrt, den er von Angela Merkel entgegen nahm. [vgl. 4]
3. Hans Werner Kilz (61), Chefredakteur „Süddeutsche Zeitung“: „Der Kanzler ist ganz knapper Sieger nach Punkten. Er hat die Pointen einfach besser gesetzt. Die CDU hat sich umsonst Sorgen gemacht: Frau Merkel war besser als Stoiber vor drei Jahren.“
Sieger: Schröder
Mein Kommentar: Hier wird zwar angegeben, dass Schröder als Sieger gesehen wird, der Text lässt aber Merkel positiver erscheinen.

4. Patricia Riekel (56), Chefredakteurin „Bunte“: „Angela Merkel war souveräner und hat sich nicht gescheut, unbequeme Wahrheiten zu sagen. Sie überzeugte durch fortschrittliche Ideen, argumentierte nah am Bürger. Sie hat Schröder schlicht aufs Altenteil abgeschoben.“
Sieger: Merkel
Mein Kommentar: So, sie war also souveräner?! Na ja, wenn das souverän war, dann möchte ich sie wirklich nicht weiter auf der politischen Bühne sehen. Für mich war ganz klar Schröder souveräner! Man muss nur mal die Mimik und Gestik der beiden – besonders, wenn der/die andere redete – anschauen.
„Unbequeme Wahrheiten“? Na ja, wenn es so toll ist, zu sagen „Ihre Politik ist scheiße“, dann war sie wirklich gut.
„Fortschrittliche Ideen“? Welche denn???
Sie „argumentierte nah am Bürger“? Na ja, das ist doch der beste Schachzug, den Schröder bei öffentlichen Auftritten in diesem Wahlkamp immer wieder bringt: er erklärt politische Sachverhalte so, dass man sie als Normalbürger versteht. So auch gestern, als er den Streit mit der Gentechnik erklärte. Hallo Frau Riekel, ich glaube Sie haben da die Namen etwas durcheinander gewürfelt!
 Die Bunte wird ebenfalls vom Burda-Verlag herausgegeben

5. Roger Köppel (40), Chefredakteur „Die Welt“: „Angela Merkel hat keinen Fehler gemacht. Sie war dem Amtsinhaber sachlich voraus, hat einen realistischeren Zugang zu den entscheidenden Themen des Landes gezeigt. Schröder mußte endgültig erkennen, daß er im falschen Film ist.“
Sieger: Merkel
Mein Kommentar: Na ja, was anderes konnte man vom Chefredakteur der Welt ja auch nicht erwarten. Klar, dass er Merkel vorne sieht. Aber wieso war sie gestern „sachlich voraus“? „Im falschen Film“? Ja? Für mich wirkte irgendwie Merkel eher wie im falschen Film, aber das ist ja nun mal subjektiv.
Die Welt gehört wie Bild zum Axel Springer-Verlag und ist wie der gesamte Verlag äußerst unions-nah eingestellt! „Seit jeher ist sie stark konservativ ausgerichtet.“ [2]

6. Andreas Fritzenkötter (47), Leiter Kommunikation und Presse, Heinrich Bauer Verlag: „Sie hat kompetent und überraschend charmant Schröder von Anfang an in die Defensive gedrängt. Obwohl beide die gleiche Redezeit hatten, wirkte Merkel eindeutig präsenter.“
Sieger: Merkel
Mein Kommentar: „Kompetent und (…) charmant“? Oh je, ihren Frauengeschmack möchte ich ja jetzt wirklich nicht bewerten, aber wenn Sie Merkel gestern charmant fanden, dann weiß ich wirklich nicht weiter.
Und ja klar, Merkel strahlt für mich auch pure Kompetenz aus (Vorsicht: Ironie!)
Ich fand auch nicht, dass sie Schröder durchgehend in die Defensive drängen konnte. Klar, manchmal ging sie etwas in die Offensive, aber ich würde doch sagen, dass Schröder sie häufiger in die Defensive drängen konnte. Aber hier gilt wieder: subjektiv.

Andere Frage: Wieso kommt neben den Chefredakteuren hier ein „Leiter Kommunikation und Presse“ zu Wort? Antwort: „In Presse und Politikwissenschaft gilt als gesichert, dass (…) Andreas Fritzenkötter (…) zum strategischen Zentrum des CDU-Wahlkampfes gehörten.“ [5]

7. Giovanni di Lorenzo (46), Chefredakteur „Zeit“: „Die angeblich nicht so telegene Merkel war glänzend vorbereitet. Schröder wirkte überraschenderweise konkreter. Dieser Vorteil ist aber nicht so groß, dass er die Wahl entscheiden wird. Gut für Deutschland.“
Leichter Vorteil Schröder
Mein Kommentar: Hier habe ich jetzt nichts groß auszusetzen. Außer vielleicht: was meint di Lorenzo mit „Gut für Deutschland“? Meint er, dass es gut ist, dass sich die Menschen nicht alleine vom TV-Duell beeinflussen lassen, dann stimme ich zu, dass es gut ist. Oder meint er, es sei gut für Deutschland, dass Schröder nicht weiterregieren wird?
Und wieso wird hier nur ein „leichter Vorteil“ gesehen und kein „Sieger Schröder“?
„Die Zeit" vertritt keine feste politische Linie (im Sinne der Positionen einer Partei), sondern ist dafür bekannt, unterschiedlichsten Standpunkten ein Forum zu bieten – gemäß ihrer Grundausrichtung: liberal und tolerant.“ [2]

8. Hans-Ulrich Jörges (53), stv. Chefredakteur des „stern“: „Angela Merkel ist die klare Überraschungssiegerin: 90 Minuten offensiv, kompetent und schlagfertig. Schröder dagegen wie gelähmt – der Mann von gestern! Angela Merkel hat ihn brillant entzaubert.“
Sieger: Merkel
Mein Kommentar: „Offensiv“? Ja, hat denn wirklich jemand gedacht, einer der beiden würde an diesem Duell teilnehmen und keine Offensive zeigen?
„Kompetent“? Siehe oben!
„Schlagfertig“? Mmmmhhhh, wenn Merkel schlagfertig war, indem sie immer wieder ihre auswendig gelernten und immer gleichen Sätze aufsagte, was war dann Schröder?
„Brillant entzaubert“? Also ich frag mich echt, was ich gestern angeschaut habe!
Und wieso hat jetzt Merkel besser abgeschnitten?
Interessant ist ein anderes Zitat von Jörges: „Der stellvertretende "Stern"-Chefredakteur zweifelt an der Regierungsfähigkeit der Union: Die Opposition präsentiert sich als konfuser Haufen und beweist so, dass sie es auch nicht besser kann als Rot-Grün.“ [6]
Dieses Zitat unterschreibe ich und schließe mich an!!!

9. Gertrud Höhler (64), Unternehmensberaterin: „Schröder gab sich als souveräner Staatsmann, konnte dem Bürger Sicherheit vermitteln. Frau Merkel zeigte hohe Sachkenntnis, konnte aber dem Zuschauer nicht das Gefühl geben, sich für ihn einzusetzen.“
Sieger Schröder
Mein Kommentar: Dieser Einschätzung kann ich nur zustimmen, abgesehen von der „hohen Sachkenntnis“.
Aber wieso ist hier in der Reihe der Chefredakteure auf einmal eine Unternehmensberaterin zu finden?

10. Steffen Klusmann (39), Chefredakteur „Financial Times Deutschland“: „Merkel hat sich besser geschlagen als viele gedacht haben. Vor allem bei Wirtschaftsthemen konnte sie punkten. Nur in der Außenpolitik sah sie gegen Staatsmann Schröder nicht mehr ganz so gut aus.
Sieger: Merkel
Mein Kommentar: O.k., sie mag sich vielleicht besser geschlagen haben, als viele gedacht haben (wobei ich wirklich nicht damit gerechnet habe, dass sie still sein und voll auflaufen wird), aber konnte sie wirklich bei Wirtschaftsthemen derart gut punkten, dass man sie als Gewinnerin sehen muss?

So fassen wir mal zusammen:
Befragte insgesamt: 10
"Sieger Schröder": 2
"Leichter Vorteil Schröder": 1
"Sieger Merkel": 7

Mmmmhhhh, liebe Bild, ist das gestrige TV-Duell wirklich so eindeutig an Merkel gegangen? Also ich habe da etwas ganz anderes gesehen.
Und warum wurden hier nicht die Chefredakteure von Frankfurter Rundschau, taz und Spiegel befragt?
Ach ja, stimmt ja, da hätte ja auf einmal Schröder als Gewinner da stehen können.
Aber klar doch, als Springer Medium muss man natürlich die konzerneigene Linie befolgen und die konservative Union unterstützen. Da muss man dann natürlich auch Merkel als Siegerin präsentieren.

In Deutschland haben die meisten Zeitungen eine politische Grundrichtung, die sie auch immer wieder in ihren Artikeln durchscheinen lassen.
So wie die oben genannten Konservativen Blätter der CDU zugeneigt sind, so sympathisieren andere Publikationen wie Frankfurter Rundschau und taz eher mit der SPD.
Allerdings sind besonders die Springer-Blätter sehr eindeutig und haben durch ihre hohen Auflagen einen immensen Einfluss auf die öffentliche Meinung.

Interessant ist, was das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag für RTL herausfand. [vgl. 7] Forsa führte direkt im Anschluss an das TV-Duell eine Umfrage unter den Fernsehzuschauern durch und kam zu folgendem Ergebnis:

Schröder / Merkel
- sympathischer war 57% / 34%
- die besseren Argumente hatte 51% / 36%
- im Bereich Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik hat eher überzeugt 41% / 43%
- es trauen eher zu, das Land zu führen 55% / 37%
- das Duell hat alles in allem gewonnen 54% / 31%
Datenbasis: 2198 Zuschauer des TV-Duells
an 100 Prozent fehlende Angaben = „weiß nicht bzw. keine Angabe“

Übrigens: Interessant ist ein Artikel, den ich gerade eben bei Spiegel-Online gefunden habe. [9] Unter der Überschrift „TV-DUELL - Hat Merkel bei Reagan abgekupfert?“ schreibt Carsten Volkery, was hinter Merkels Schlussplädoyer steckt: Ronald Reagan! Als Reagan 1980 im TV-Duell gegen Präsident Jimmy Carter antrat sprach er folgende Worte:

"Nächsten Dienstag werden Sie alle zu den Wahlurnen gehen, sie werden dort im Wahllokal stehen und ihre Entscheidung treffen. Wenn Sie diese Entscheidung treffen, denke ich, wäre es gut, wenn Sie sich fragten: Geht es Ihnen besser als vor vier Jahren? Ist es einfacher für Sie, Dinge in den Läden zu kaufen, als vor vier Jahren? Ist die Arbeitslosigkeit im Land höher oder niedriger? Wird Amerika in der Welt so respektiert wie früher? Sind wir so sicher, so stark wie vor vier Jahren?
Wenn Sie alle diese Fragen mit Ja beantworten, dann denke ich, ist es sehr offensichtlich, wen Sie wählen werden. Wenn Sie anderer Meinung sind, wenn Sie nicht wollen, dass wir dem Kurs der vergangenen vier Jahre weiterhin folgen, dann will ich Ihnen eine andere Wahl nahe legen, die Sie haben."

Merkel schloss das TV-Duell 2005 mit den Worten:

"Liebe Wählerinnen und Wähler, in zwei Wochen werden Sie Ihre Entscheidung über die Wahl fällen. Vielleicht hilft Ihnen die Beantwortung einiger Fragen bei Ihrer Entscheidung: Geht es unserem Land heute besser als vor sieben Jahren, als Rot-Grün antrat? Ist das Wachstum höher? Ist die Arbeitslosigkeit niedriger? Haben wir weniger Bürokratie? Sind unsere Rente, Pflege und Gesundheit sicherer?
Wenn Sie alle diese Fragen mit Ja beantworten, dann haben Sie Ihre Wahlentscheidung wahrscheinlich gefällt. Aber wenn Sie Zweifel haben, wenn Sie nicht wollen, dass es einfach so weitergeht, dann haben Sie die Wahl mit CDU und CSU."

Wow, was für ein Zufall. Also ganz ehrlich, wenn Frau Merkel schon für ein Schlusswort, ein Appell an die Wähler, keine eigenen Worte finden kann, sondern nur abkupfert, ist sie dann wirklich so kompetent und intelligent wie manche doch wirklich meinen?
Ich finde es eher billig und sehr sehr schwach!

bluejax
Rottenburg, den 05. September 2005

[1] http://www.bild.t-online.de/BTO/corporate__site/buehne/startseite.html
[2] http://www.gunnar-peters.de/index.html?/medien/presse/
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Markwort
[4] http://www.gutfuerdeutschland.de/Aktuelles/burda_zukunftspreis.html
[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Bundestagswahl_1998
[6] http://www.wdr.de/tv/hartaberfair05/20050126/experten.phtml#gast4
[7] http://www.presseportal.de/story.htx?nr=720711&ressort=2
[8] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,373269,00.html

Nachtrag angefügt:
Übrigens findet ihr unter
http://www.titanic-magazin.de/shop/index.php?action=showdetails&from=startpage&pageNr=1&productId=429b3bb5760e5&sid=bd930bef8aa461f4c64b43a82c940740
das schöne "Darf das Kanzler werden?" T-Shirt aus dem DiePartei-/Titanic-Shop!
5.9.05 21:43
 


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