bluejax
  Startseite
  Archiv
  Impressum
  Bisherige Einträge - Übersicht
 
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 


 
Freunde
   
    purzell

    - mehr Freunde




kostenloser Counter



https://myblog.de/bluejax

Gratis bloggen bei
myblog.de





Links
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  iserman.kepler.covenant
  nachgedacht
  gefalleneengel
  extrablog
  meine-tagtraeume
  staymellow
  meadow-stomper
  linksalarm
  
  AG Fernsehforschung
  ARD Media Perspektiven
  IfMK TU Ilmenau
  IPTV Blog
  KEK-online.de
  Medienrauschen.de
  Quotenmeter.de
  TVblogger.de
  Was mit Medien
  
 
„Der Spriegel“ –Spiegel goes Springer


Ihr habt doch sicherlich meinen Eintrag zum Spiegel-Online-Artikel [1] von Claus Christian Malzahn gelesen (siehe Eintrag vom 31. August 2005). Damals hatte jener Journalist einen Artikel veröffentlicht, der ganz schön hart mit Rot-Grün ins Gericht geht, hinsichtlich der angeblich fehlenden Unterstützung Deutschlands für die durch den Hurrikan „Katrina“ gebeutelte Supermacht USA. Ich hatte mich aufgeregt über Malzahn, da dieser sehr einseitig und unfair geschrieben hatte.
Ja, das war damals sozusagen die Spitze des Eisberges einer Entwicklung, die sich schon seit längerer Zeit vollzieht: der Spiegel änderte sich in meiner Ansicht von einem überparteilichem Nachrichtenmagazin, das traditionell eigentlich eher links ausgerichtet war, hin zu einem Magazin, welches immer wieder, ein ums andere Mal gegen Rot-Grün schreibt und im Gegenzug der CDU quasi neues Leben einhaucht.
Mir ist diese Richtungsänderung schon vor einigen Monaten aufgefallen. Ich habe auch viele Diskussionen mit Freunden und Bekannten diesbezüglich geführt, die es ähnlich sehen.
Aber klar, das war mein, unser, subjektives Empfinden. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, was die Frankfurter Rundschau in dem Artikel „Kampf gegen Windmühlen
Ist der "Spiegel" gegen Rot-Grün? Er ist vor allem gegen Jürgen Trittin“ veröffentlicht [2]:

Oliver Gehrs schreibt in diesem Artikel über den Richtungswandel, der sich im Nachrichtenmagazin Spiegel in den vergangenen Monaten und Jahren vollzogen hat. Zu Beginn wird „CDU-nahe Publizist Warnfried Dettling“ zitiert, der sich fragt, wie es nur sein könne,

„dass sich der Spiegel so dermaßen gewendet habe - ja, so ungeheuer neoliberal geworden sei.“

Und anscheinend ist das auch anderen aufgefallen:

„außerhalb des Nachrichtenmagazins steht Dettling mit seiner Meinung nicht allein da. Erst vor kurzem moserte TV-Produzent Friedrich Küppersbusch (Maischberger) in der taz, dass der Spiegel auf dem Weg zum CDU-Parteiorgan sei, der Süddeutschen fiel gar das Wort "reaktionär" ein.“

Im folgenden schreibt Oliver Gehrs, dass die führenden Köpfe der Ressortbereichs Politik mittlerweile aus Wirtschaftsjournalisten bestehe.

„Büroleiter Gabor Steingart war zuvor Ressortleiter Wirtschaft, seine beiden Stellvertreter Jan Fleischhauer und Konstantin von Hammerstein kommen ebenfalls aus dem Ressort. Dieses Triumvirat, so heißt es bei Kritikern intern, habe ein klares Ziel, und das sei die Kanzlerschaft Merkels. Dafür lege man sich so ins Zeug, dass es auch zu Kollateralschäden komme.“

Das ist ja mal eine hammerharte Unterstellung. Journalisten, welche für die Abteilung Politik, des selbsternannten unabhängigen Nachrichtenmagazins zuständig sind, sollen das Ziel haben Merkel die Kanzlerschaft zu verschaffen und dabei all ihre zur Verfügung stehende Macht auszunutzen. Gehrs versucht ein Beispiel zu geben. So geht er auf die Berichterstattung des Spiegels über das Steuermodell von Paul Kirchhof ein:

„(…) der Spiegel das Steuermodell von Paul Kirchhof verteidigte und als Beleg eine Beispielrechnung präsentierte, bei der ein Manager mit 300 000 Euro Jahreseinkommen demnächst fast 7000 Euro pro Jahr stärker belastetet werde. Wenig später stellte sich heraus, dass die Rechnung falsch war. Der Spiegel habe einfach die Zahlen vom Institut von Paul Kirchhof übernommen, wunderte sich nicht nur die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

Das ist krass. Kein Wunder, dass der Eindruck entstehen muss, dass die zuständigen Redakteure voreingenommen sind. Und auch anderen ist diese Rechnung aufgefallen: Die Antiglobalisierungsbewegung Attac rechnete als erstes nach und ein Sprecher meint dazu:

"In der Hochphase des Wahlkampfs stützt der Spiegel seine Recherchen zum zentralen Wahlkampfthema im Wesentlichen auf den derzeitig wichtigsten CDU-Wahlkämpfer."

Peinlich, peinlich lieber Spiegel. Nicht nur, dass man erwischt wurde, wie man versuchte die CDU zu unterstützen. Es gab nicht mal eine Entschuldigung, geschweige denn eine Richtigstellung: Zwar wurde der Fehler umgehend bei Spiegel-Online behoben,

„im Heft selbst aber stand die Korrektur nur als umständlich formulierte Antwort auf einen Leserbrief im Blatt.“

Schade, eine offizielle Richtigstellung sieht anders aus. Aber da ja nicht zwangsweise eine falsche Tatsachenbehauptung abgedruckt wurde, musste dies der Spiegel auch nicht tun. Auf jeden Fall, wenn man sich die Rechtslage anschaut. Bei Wikipedia [3] heißt es dazu:

Wurde in einem Medium eine unwahre Tatsache veröffentlicht, kann der oder die Betroffene eine Berichtigung der Behauptung verlangen. (…)
Ein solcher Anspruch setzt allerdings eine falsche Tatsachenbehauptung voraus. (…)

Die Redaktion des Mediums ist alsdann verpflichtet, eine Berichtigung der eigenen Erklärung abzugeben, welche geeignet ist, die Beeinträchtigung der Rechte des Betroffenen zu beseitigen. Vornehmlich wird dies in Form eines Widerrufs der gesamten Behauptung, einer Richtigstellung des fehlerhaften Teils der Behauptung oder einer Distanzierung von dem verbreiteten Inhalt geschehen. Die Berichtigung hat an vergleichbarer Stelle wie die Falschmeldung zu erfolgen (dieselbe Rubrik, Sendung, Positionierung), um den selben Empfängerkreis anzusprechen. (…)

Ob es sich um eine falsche Tatsachenbehauptung handelt, wenn der Spiegel die Zahlen von Kirchhof ungeprüft übernimmt, kann ich nicht beurteilen. Es ist letztlich auch nicht entscheidend, ob er falsche Zahlen veröffentlicht. Entscheidend ist, dass er sie ungeprüft und ohne eigene Nachrechnungen übernimmt. Es gibt jetzt auch keinen direkten Geschädigten, der eine Berichtigung verlangen könnte. Wobei eigentlich alle Spiegel-Leser als Beschädigte angesehen werden müssen. Insofern hätte man durchaus eine Richtigstellung von der Redaktion erwarten können, die an „vergleichbarer Stelle“ hätte erscheinen müssen. Und nicht so ganz nebenbei.

Oliver Gehrs schließt diesen Abschnitt seines Artikels mit der Feststellung, dass im aktuellen Spiegel, dessen Titelstory sich Kirchhof widmet, kein wirklicher Richtungswechsel zu sehen ist. Der Titel verfalle in zwei Teile:

„Im ersten wird das Steuermodell als progressiv gelobt, weil es den bürokratischen Wust vereinfacht, im zweiten wird es weitgehend verrissen. Es ist eins der vielen Sowohl-als-auch-Stücke, die im Spiegel Konjunktur haben.“

Es geht weiter. Im Folgenden geht Gehrs ganz konkret auf die Spiegel-Berichterstattung über die Rot-Grüne Koalition ein. Er spricht von „Anwürfen gegen Rot-Grün, wo man sie gar nicht vermutet hätte“ und nennt wiederum ein Beispiel. Diesmal ist es ein Bericht über den Wirtschaftsstandort Deutschland, der die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes in Frage stellt. Der Spiegel zitiere darin einen US-Wissenschaftler „als ob die konservativ-christliche Bush-Regierung keine Probleme mit der Forschung hätte.“:

"Während sich Amerikaner wagemutig auf neue Technologien stürzten, warteten die hasenfüßigen Deutschen ab“

Und weiter:

„An anderer Stelle wird Rot-Grün vorgeworfen, den `Atomausstieg beschlossen` zu haben, `obwohl sich die Welt den Kopf zerbricht, wie der wachsende Energiebedarf ohne steigende Luftverschmutzung und bei sinkenden Ölreserven gedeckt werden kann`. Als hätte das eine mit dem anderen nichts zu tun.

Lieber Spiegel: Was wollen Sie denn? Dass Deutschland so wie die USA auf traditionelle Energien setzt, ohne an die Zukunft zu denken. Finden Sie es nicht wichtig, wichtige Schritte zu alternativen Energien zu machen, um die Umwelt zu schützen? Geht das wirklich ohne dass man es versucht? Und was ist denn das alles für eine Logik?

So, nun nennt Oliver Gehrs die „Lieblingsgegner des Spiegel“. Nein, keine konservativen Politiker. Nein keine rechten Populisten. Nein, es sind die grünen Minister Fischer und Trittin.

„Wochenlang wurde in der Außenamtsaffäre gegen Fischer polemisiert, bis die Redaktion auf die Idee kam, einmal die braunen Vergangenheit einiger Diplomaten zu prüfen - und schließlich vom Minister abließ.“

Einen noch schwierigeren stand bei der Spiegel-Redaktion hat Jürgen Trittin:

„Fast alles, was Trittin an Gesetzen oder Verordnungen erließ, wurde vom Spiegel attackiert, so etwa der Atomausstieg, den der Spiegel über Jahrzehnte gefordert hat - sogar auf der Titelseite. Seit aber Rot-Grün den Ausstieg verkündete, wechselte das Blatt die Seiten. Mittlerweile ist das Ende des Atomstaats kaum noch ein Thema, statt dessen werden seitenlange Geschichten gegen die Windkraft gedruckt.“

Und auch im aktuellen Spiegel wird der Bundesumweltminister attackiert, ganz nebenbei:

„ In einem Artikel, der zum Titel-Komplex über Kirchhof gehört, und in dem es vor allem um Abschreibungsmöglichkeiten von Filmfonds geht, wird ganz en passant noch mal gegen die "Windmühlen" Front gemacht.“

Und natürlich, wenn wir schon dabei sind, das Dosenpfand ist ja auch richtig scheiße:

„Lange Zeit befürwortete der Spiegel auch das Dosenpfand, bevor er sich jäh anders entschied und in einer launigen Titelgeschichte ein bürokratisches Tollhaus beschrieb. Dass das Dosenpfand mittlerweile gut funktioniert - darüber findet sich im Spiegel so gut wie nichts mehr.“

Gehrs weist darauf hin, dass der Spiegel seine besten Leute verliert, weil er sie nicht mehr frei schreiben lässt:

„Der über Jahre zuständige Redakteur hat die Redaktion im Streit über die Linie des Spiegel verlassen - ein weiterer Umwelt-Fachmann reichte die Kündigung ein, nachdem ein Stück über das Strom-Oligopol der großen Konzerne gekippt worden war und statt dessen eine Polemik gegen Windkraft erschien.“

Und dann kommt Oliver Gehrs auch auf jenen Artikel von Claus Chrisian Malzahn zu sprechen, den auch ich schon kritisiert habe. Auch Gehrs versteht die Argumentation und die Entrüstung von Malzahn nicht, der mal wieder auf Rot-Grün und besonders auf Trittin eindrischt, ohne dass alles im eigentlichen Zusammenhang steht. „Bashing statt objektivem Journalismus“ sag ich nur!

In der Print-Ausgabe des Spiegels „durften Wissenschaftler erklären, dass Klimaschutz und Flutwelle nichts miteinander zu tun haben.“ Ja klar, Umweltschutz ist scheiße. Es lebe die Zerstörung unserer Natur!

Ach ja, Lieblingsopfer Jürgen Trittin nicht zu vergessen: Unter der Überschrift "Trittin, you've got mail" veröffentlichte Spiegel-Online

„Leserbriefe aufgebrachter Amerikaner auf seine Website. Zitat: `Wenn wieder ein Faschist wie Hitler Deutschland regiert, kommt nicht zu uns!` Hinzu kamen auch noch welche von aufrechten Deutschen, die sich auf die Knie warfen. Und ein Leser schrieb: `Ich schäme mich für Trittin. Er ist so rüde, arrogant, ein widerlicher Politiker.`
Das dürfte so recht genau die Meinung mancher Redakteure beim Spiegel wiedergeben.“

So viel zum Thema unabhängiger und fairer Journalismus des Spiegels. Für mich als Abonnement des Nachrichtenmagazins steht fest, dass der Spiegel sich selber unglaubwürdig macht und an Anerkennung einbüßt. Bei mir hat der Spiegel erheblich an Vertrauen verloren. Ich bin gespannt, wie er das wiedergewinnen möchte. Ich hoffe, dass er es überhaupt will und versucht. Und ich hoffe, dass auch anderen Spiegel-Lesern diese Dinge auffallen. Vielleicht merken es dann auch die Redakteure und Verantwortlichen des Spiegels.
Außerdem, ich bin ja davon überzeugt, dass die Medien einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass es vielleicht zu einer Schwarz-Gelben Regierung kommen wird. Würden nicht immer alle Zeitungen alles, was von Rot-Grün initiiert wird in der Luft zerreißen und die Menschen dagegen aufbringen, es gäbe keine Neuwahlen im Land. Und auch der Spiegel sägt mit am Stuhl von Schröder/Fischer.
Aber was will man von einem Blatt auch anderes erwarten, dass gemeinsam mit der Bild-Zeitung die alte Rechtschreibreform zurückfordert und sie auch gemeinsam mit ihr für seine Publikationen wieder einführt. Früher war der Spiegel mal ein Kritisierer des Springer-Konzerns. Heute machen sie gemeinsame Sache. Es ist die Zeit für Alternativen!

bluejax
Rottenburg, den 16. September 2005

Nachtrag:
Hier habe ich übrigens noch einige weitere Artikel zum Thema gefunden:
http://www.cicero.de/97.php?ress_id=5&item=92
http://neon.stern.de/kat/entertainment/presse/83333.html

http://www.netzeitung.de/medien/297835.html
http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/547/29518/


Quellen:

[1] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,372407,00.html
[2] http://www.frankfurter-rundschau.de/ressorts/kultur_und_medien/medien/?cnt=725825&
[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Berichtigungsanspruch_%28Medienrecht%29
16.9.05 17:52
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung