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Tod auf der Treppe – Mord oder Unfall?


Es war reiner Zufall, dass ich drauf gestoßen bin. Irgendwann vor 2 Wochen bin ich bei Freunden (ich hab ja keinen Fernseher, liebe GEZ) beim Durchzappen auf dem Fernsehsender XXP hängen geblieben. Dort lief eine Dokumentation, in der der Prozess um einen Schriftsteller gezeigt wurde. Die Frau von Michael Peterson, so der Name des Schriftstellers, ist bei einem mysteriösen Treppensturz ums Leben gekommen. Doch ziemlich schnell steht der Ehemann im Visier der Staatsanwaltschaft und wird schließlich vor Gericht angeklagt.

Die Dokumentation „The Staircase - Tod auf der Treppe“ begleitet nun die Verteidigung von Michael Peterson und zeigt in 4 Folgen à 100 Minuten das Gerichtsverfahren rund um den Tod von Kathleen Peterson.

Im Verlauf der polizeilichen Ermittlungen zeigte sich sehr schnell, dass die glückliche Ehe der beiden Petersons scheinbar nur Fassade war. Michael, bisexuell, führte ein Doppelleben. Diese Tatsache wird ziemlich schnell zum Hauptargument der Staatsanwaltschaft. Und damit trifft sie natürlich mitten ins Herz der 12 Geschworenen. Denn man darf nicht vergessen, es geht um ein Gerichtsverfahren, welches in den Vereinigten Staaten von Amerika verhandelt wurde. Das heißt, am Ende entscheiden die 12 Geschworenen, ganz normale Menschen aus der Nachbarschaft, über Schuld oder Nicht-Schuld des Angeklagten. Und dass der Fall in North Carolina verhandelt wird, also in einem tief konservativen Südstaat, ist nicht gerade Vorteilhaft für einen Angeklagten, der seine Ehefrau mit anderen Männern betrogen hatte.

Der Staatsanwalt Jim Hardin baut hierauf seine Anklageschrift auf und führt einen emotionalen Prozess gegen Michael Peterson. Ziemlich schnell präsentiert er auch die angebliche Mordwaffe: einen verschwundenen Schürhaken.
Die Verteidigung ihrerseits setzt weniger auf Emotionen, als vielmehr auf Fakten. Die Mannschaft um den Anwalt David Rudolf setzt auf stichhaltige Laborergebnisse. Sie führt allerlei biomechanische, forensische und sonstigen Verfahren durch, um die Unschuld ihres Mandanten zu beweisen. Dabei wirft sie der Polizei auch schlampige Arbeit vor und beschuldigt sie, am Tatort Spuren verwischt zu haben.

Ein ganz neues Licht wirft der Tod einer früheren Freundin von Michael Peterson auf den Prozessverlauf: Elisabeth Ratcliff starb 1985 in Deutschland – ebenfalls nach einem mysteriösen Treppensturz. Tragischer Zufall oder verräterischer Zusammenhang? Die Leiche wird exhumiert und der Todesfall neu aufgerollt.

Der Regisseur Jean-Xavier de Lestrade zeigt in „The Staircase - Tod auf der Treppe“ beachtlich, wie ein mysteriöser Todesfall nach und nach versucht wird aufzuklären. Der Film zeigt, wie die Verteidigung strategisch vorgeht, um die 12 Geschworenen von der Unschuld ihres Mandanten zu überzeugen. Lestrade zeigt, wie schwierig es ist, die Wahrheit herauszufinden. Was ist wirklich in jener Nacht passiert?

Vorsicht: Den folgenden Abschnitt bitte nur lesen, wenn ihr wissen wollt, wie der Prozess ausging oder ihr es bereits wisst!

Interessant sind die beiden Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Während die Anklage sich voll und ganz auf die Emotionen der 12 Geschworenen konzentriert und eigentlich die Bisexualität von Michael Peterson zum zentralen Schuldbeweis macht setzt die Verteidigung auf die Zweifel. Sie präsentiert 10 große Widersprüche, wegen denen man Peterson eigentlich nicht schuldig sprechen dürfte. So wurde auch der vermeintlich verschwundene Schürhaken, der von der Staatsanwaltschaft als Mordwaffe vorgestellt wurde gefunden, untersucht und als Nicht-Mordwaffe identifiziert. Auch die vielen Gutachten, die die Truppe um David Rudolf in Auftrag gegeben hatten, entlasten den Angeklagten. Die zentrale Botschaft lautet: Die Beweise der Staatsanwaltschaft reichen nicht aus um den Angeklagten für Schuldig zu bekennen. Nicht die Entscheidung zwischen Schuld und Unschuld stehe für die Geschworenen zur Debatte, sondern, ob schuldig oder nicht schuldig. Und für einen Schuldspruch reiche die Beweislage auf gar keinen Fall aus.

Das finde ich eigentlich auch recht treffend formuliert. Zwar bekommt man selber im Verlauf der Dokumentation den Eindruck, dass hinter des friedlich scheinendem Miene des Schriftstellers ein zweites Gesicht stecken könnte, aber das heißt ja noch lange nicht das er auch schuldig ist. Man kommt zu der Überzeugung, dass aufgrund der von der Verteidigung angebrachten Zweifel wirklich kein Schuldspruch möglich sein könnte. Nicht schuldig, was nicht gleich unschuldig heißen muss!

Dann, nach den Schlussplädoyers ziehen sich die 12 Geschworenen zur Beratung zurück. Es dauert ganze 5 Tage, bis sie zu einer einstimmigen Entscheidung kommen. Und das Urteil ist wirklich sehr überraschend. Denn es lautet: „Guilty“, schuldig im Sinne der Anklage!

Der Schriftsteller Michael Peterson legt direkt nach der Urteilsverkündung Einspruch ein. Lebenslange Haft lautet das Strafmaß. Der Verurteilte wird abgeführt. Seine beiden Adoptivtöchter, die den ganzen Prozess hindurch zu ihm gehalten haben brechen im Gerichtssaal weinend zusammen. David Rudolf verliert den Glauben an das Rechtssystem der USA. Court TV, die das Gerichtsverfahren von Beginn an verfolgt haben können das Ende des Prozesses verkünden. Ein mysteriöser Fall, der bei den Menschen in den USA über Monate für Diskussionen sorgte wird abgeschlossen. Die Kinder des Schriftstellers haben nach ihrer Mutter und der Stiefmutter nun auch ihren (Adoptiv-) Vater verloren. Das weiß auch der Verurteilte. Die letzten Worte im Film stammen von Michael Peterson: „Alle müssen büßen!“

bluejax
Erfurt, den 29. Januar 2006


Links:

Hier findet ihr die Beschreibung von XXP zu den einzelnen Folgen der Dokumentation:
Teil 1: „Geheimnisse und Lügen“

Teil 2: “Die Beweisaufnahme“

Teil 3: “Der Prozess“

Teil 4:” Das Urteil“

Hier gibt`s eine Zusammenfassung von Vox.

Und unter rechtsreferendarin.de gab es schon mal eine kleine Diskussion zum Prozess und dem Urteil.
29.1.06 16:23
 


bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(30.1.06 17:10)
Guck mal:
http://www.mediaculture-online.de/Rashomon.62.0.html
:-)


bluejax / Website (30.1.06 20:29)
@anonym:

hört sich interessant an! werd mir den film bei geegenheit mal anschaun, danke!


bluejax / Website (30.1.06 20:45)
Und wenn wir schon mal bei Filmen sind, bei denen es um die (subjektive) Wahrheit(sfindung) geht:

http://www.mediabiz.de/firmen/kinofilm.afp?Nr=1805&Ti=67554&Biz=cinebiz&Premium=N&Navi=00000000


Janine (1.5.06 21:25)
Hallo!
Hat jemand diesen Fall auf Video/DVD aufgezeichnet? Ich habe vor ca. 1 Jahr die ersten zwei Folgen gesehen und den Rest verpasst. Auch wenn ich das Urteil kenne - und es unfassbar finde - würde ich es gerne nochmal sehen.
Falls jemand eine Aufzeichnung hat und mir eine Kopie schicken könnte, wäre ich sehr dankbar.
Gruß
Janine


detlef / Website (13.12.11 18:49)
moin, ich habe die doku damals bei vox gesehen,und war total begeistert,,,ich habe an vox geschrieben,und die haben mir alle 4 teile zugeschickt,,,gr

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